Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts

Von Jürgen Osterhammel

Buch, Gebundene Ausgabe, 1568 Seiten, 4. Auflage
Erschienen: 1. April 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: C.H.Beck
Verkaufsrang: 7132 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783406582837
ISBN-10: 3406582834
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Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts
In dieser grandiosen Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts erzählt Jürgen Osterhammel kundig, schwungvoll und facettenreich die Geschichte einer Welt im Umbruch. Aus einer Fülle an Material und einer Vielzahl unterschiedlicher Blickwinkel entsteht dabei das tiefgründige Porträt einer faszinierenden Epoche.
Osterhammel fragt nach Strukturen und Mustern, markiert Zäsuren und Kontinuitäten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Seine kulturübergreifenden, thematisch aufgefächerten Darstellungen und Analysen verbinden sich dabei zu einem kühnen Geschichtspanorama, das nicht nur traditionelle eurozentrische Ansätze weit hinter sich läßt, sondern auch erheblich mehr bietet als die gängigen historiographischen Paradigmen wie Industrialisierung oder Kolonialismus. Die Herausbildung unterschiedlicher Wissensgesellschaften, das Verhältnis Mensch-Natur oder der Umgang mit Krankheit und Andersartigkeit kommen darin ebenso zur Sprache wie Besonderheiten der Urbanisierung, verschiedene Formen von Bürgerlichkeit oder die Gegensätze von Migration und Seßhaftigkeit, Anpassung und Revolte, Säkularisierung und Religiosität. Zugleich stellt Osterhammel immer wieder Bezüge zur Gegenwart her.
Auf der Höhe der Forschung, engagiert geschrieben und zugleich wohltuend unideologisch, ist sein Werk nicht nur ein unverzichtbares Handbuch für jeden Historiker. Seine plastischen Schilderungen ziehen auch den interessierten Laien in den Bann eines Jahrhunderts, dessen historische Bedeutung in dieser fulminanten Epochengeschichte ganz neu ausgelotet wird.

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 9 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Nicht vermessen, aber eine Vermessung der Welt (5 von 5 Punkten) schreibt H.A.
Vieles wurde von den RezensentInnen an dieser Stelle schon zutreffend gesagt.
Ein wesentlicher Aspekt besteht m.E. darin, dass der Autor zumindest versucht, die Perspektive vom "Westen" wegzurücken und auf die übrigen Kulturräume, soweit sie einer Geschichtsschreibung zugänglich sind, zu verschieben. So entsteht beim Leser das Gefühl für eine scheinbar paradox anmutende "Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen". Es liesse sich fragen, welcher Begriff von "Fortschritt" - wenn überhaupt - welcher Kultur zugrunde liegt.
Das Buch ist nichts weniger als gewissermassen eine "Vermessung der Welt", indem Osterhammel die Koordinaten seiner Untersuchung deutlich definiert, innerhalb derer er sich erzählend bewegen will. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis erhellt das Verfahren. Hochspannend sind z.B. die Einlassungen über "Imperien" und "Nationalstaaten", die Überlegungen zu "Frontiers", zu Städten usw. Ist etwa der verfasste Staat, gemäss der uns vetrauten Definition in afrikanischen Gesellschaften ein taugliches Modell ?
Naturgemäss lässt sich das Buch auch als Geschichte der Globalisierung lesen, deren Anfänge allerdings noch weiter hinter den untersuchte Zeitraum zurückreichen. Osterhammel weist, wo nötig, auch immer in beide Richtungen über den kalendarischen Raster hinaus.
Dieses Werk ist für den Laien ein Lehrstück dessen, was moderne Historiographie leisten kann und kaum verzichtbar für jene, die eine tiefere Vorstellung von der heutigen bewohnten Welt haben möchten.
Keinesfalls sollte man sich aber von Umfang und Preis abschrecken lassen. Es ist die Mühe - hier eher ein grosses Vergnügen - und die Kosten allemal wert.


Lebendige Geschichte für Jedermann (5 von 5 Punkten) schreibt E. aus Sachsen-Anhalt
Ich habe mir dieses Buch im Zuge einer Lehrveranstaltung meines Studiums gekauft. Doch etwas erschrocken war ich über den Umfang des Buches, zumal die Schriftgröße auch eher klein ist. Auch der Kaufpreis ist für einen Studenten wie mich nicht gerade günstig und wer nicht regelmäßig seine Arme trainiert wird mit der Handhabung auch seine Probleme haben. Sinnvoll wäre die Benutzung eines Foliantenhalters, oder der Verlag unterteilt das Buch in einzelne Bände.

Tatsächlich entpuppte sich das Buch als eine interessante Lektüre, obwohl ich in der Freizeit eher Fantasybüchern und historischen Romanen den Vorzug gebe, las ich das Buch mit stetigem Interesse und würde es an diesem Zeitpunkt auch als gute Freizeitlektüre bezeichnen, wenn man sich für den geschichtlichen Inhalt interessiert. Viele Fachbücher, die im Rahmen universitärer Kurse angepriesen und vorausgesetzt werden, sind schwer zugänglich und staubtrocken geschrieben. Osterhammels Buch hingegen liest sich wie ein anspruchsvoller Roman und schafft ein Werk, welches ich als "Infotainment" bezeichnen würde. Da die Kapitel inhaltlich nicht zwingend aufeinander aufbauen, sondern auch getrennt und unabhängig gelesen werden können, bietet es sich auch als Nachschlagewerk für Abiturienten oder Studenten an.

Zusammenfassend also eine 5-Sterne-Bewertung mit Vorbehalt wegen des Preises und der Handhabung.



Hier eine kurze Zusammenfassung des Buches, die mit meiner Rezension nichts mehr zu tun hat

Das opulente Werk Die Verwandlung der Welt von Jürgen Osterhammel erzählt die Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts auf eine facettenreiche und schwungvolle Art und Weise. Aus einer Vielzahl von Quellen und unterschiedlicher Blickwinkel gibt er einen tiefreichenden Einblick in die Zeitepoche des 19. Jahrhunderts. Er beschreibt dieses Epoche als das erste globale Jahrhundert und das letzte europäisch dominierte.
Das Ziel seines Buches ist eine Abweichung von der traditionellen eurozentrischen Geschichtsdokumentation und das Aufzeigen von Strukturen und Mustern, Gemeinsamkeiten und Unterschieden, Zäsuren und Kontinuitäten. Dadurch entfernt sich sein Werk von den Standartbegriffen des Kolonialismus und Industrielle Revolution und zeichnet einen weitaus umfassenderen Rahmen, der Natur-Menschbeziehungen, Krankheit und Andersartigkeit, Besonderheiten von Urbanisierung, unterschiedliche Formen von Bürgerlichkeit, Migration und Sesshaftigkeit sowie Religiosität und Säkularisierung mit einbezieht. Er betrachtet weniger die traditionell betrachteten Ereignisse wie Schlachten, Krisen etc. sondern vielmehr weltweit entstehende Phänomene und Ereignisse und versucht diese miteinander in Beziehung zu bringen. Dabei stellt Osterhammel immer wieder einen Bezug zur Realität her und verlässt auch bei geschichtlichen Rückblicken immer wieder bewusst das Zeitfenster des 19. Jahrhunderts. Ihm zufolge können Prozesse und Kontinuitäten im 19. Jahrhundert nur verstanden werden, wenn sie in ihrer Gesamtheit Epochen übergreifend betrachtet werden. Sein Buch hat dadurch den nicht geringen Anspruch, dem Leser eine weltgeschichtliche Perspektive aufzuzeigen, indem er von Europa beginnend unter einer Vielzahl von Aspekten über den Erdball schweift und die Herauslösung von Japan, China und den USA aus der Peripherie beschreibt.
Er beginnt seine Erzählung mit dem Hinweis, dass mit Schildkröte Hariett, die Charles Darwin von seinen Forschungsreisen mitgebracht hatte, im Jahr 2006 die letzte Zeitzeugin des 19. Jahrhunderts gestorben war. Tatsächlich gibt diese Geschichte eine inhaltliche Vorschau über eine Vielzahl von Hauptthemen aus seiner Erzählung: Die Archivierungsleidenschaft des 19. Jahrhunderts, ohne die man nicht gewusst hätte, wer Hariett ist, die Wanderungen von Sträflingen, Arbeitern und Unternehmern, Forschungsreisen von Wissenschaftlern und die Jagt auf Kulturschätze aus fernen Ländern sowie deren Verteilung in Museen rund um den Globus, auf dem Imperien die entlegensten Orte miteinander verbanden. Wie der Titel des Buches vorwegnimmt, geht es Osterhammel nicht um eine teleologische Erzählung von Nationalismus, Kolonialismus, Modernisierung, Standardisierung und Globalisierung sondern um die Erfassung weltweit beginnender Prozessen, in denen er Parallelen und Unterschiede aufzeigt. Darüber hinaus stellt er die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten der Geschichtsschreibung, Chronologie und Geographie mentaler Landkarten als orts- und zeitgebundene Vorurteile in Frage. Als Beispiel nennt Osterhammel die Französische Revolution, die außerhalb von Europa kaum zu spüren war und fokussiert seine Inhalte eher auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert, auf das Victorianische Zeitalter und das fin de siécle wie er es nennt.

Er arbeitet fünf wesentliche Merkmale des 19. Jahrhunderts hervor:

1. Technologischer Fortschritt unterteilt die Welt in arm und reich
2. Wachsende Mobilität durch die Eisenbahn
3. Kommunikative Vernetzung durch Telegraphen
4. Spannung zwischen Gleichheit und Hierarchie
5. Emanzipation

Die Kapitel des Buches bieten ein Panorama der Weltgeschichte des 19. Jahrhunderts von Lebensverhältnissen und -chancen der Bevölkerung sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, insbesondere in den kolonialisierten Bereichen der Welt. Naheliegend ist auch die Fokussierung auf die Gebiete des amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Kontinents und weniger auf die europäischen Nationalgeschichten.
Ein bedeutendes Thema für Osterhammel ist die Sklaverei sowie deren schrittweise Abschaffung im 19. Jahrhundert und die daraus in Verbindung stehenden Diskussionen und deren Bedeutung in den Gesellschaftsteilen. Auch hier zeigt sich Osterhammels Vorgehensweise beim Aufzeigen von Parallelen und Unterschieden, wenn er den Anstieg der Sklaverei in Teilen Südamerikas gleichzeitig mit dem Abklingen auf dem Nordamerikanischen Kontinent vergleicht.
Im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt durch Eisenbahnen, Dampfschiffe und Telegraphen, äußert Osterhammel seine wohl provokanteste These: Das 19. Jahrhundert sei weniger eine Epoche von Nationalstaaten und Nationalismus, sondern vielmehr eine Epoche von zukunftsträchtigen Imperien, die erst im 20. Jahrhundert entweder untergehen (Deutschland), sich umstrukturieren (China) oder von anderen beerbt werden (Großbritannien). Interessant in diesem Zusammenhang ist die Einbeziehung nicht nur der großen Reiche wie Großbritannien, Russland oder China, sondern auch der Staaten, die in der traditionellen Geschichtsschreibung als neue Nationalstaaten bekannt sind.
Diese These belegt er später durch den Vergleich der unterschiedlichen Definitionen von Nationalstaaten mit der Realität von Staats- und Bevölkerungsstrukturen, verfällt aber nicht dazu den Nationalismus als Hauptthema des Buches zu verwenden.


Wer und was wir sind... (5 von 5 Punkten) schreibt N.G. aus Berlin
Es gibt Bücher, die begleiten einen über einen Zeitraum im Leben, und vieles von dem, was man in dieser Zeit erlebt, wird mit dem, was man liest, in Zusammenhang gesetzt. Und das eröffnet einem dann neue Horizonte, man sieht mit anderen Augen, man versteht Dinge, die man sonst nicht verstanden hätte. Meist sind es die großen, berühmten und langen Romane, von Thomas Mann, von Max Frisch, Thomas Pynchon oder auch von John Irving, bei denen das mir so geht. Doch hier, bei "Die Verwandlung der Welt" war es zum ersten Mal ein Sachbuch, das bei mir diesen Effekt hatte.

Dabei liegt der Grund nicht, jedenfalls nicht nur, in der Länge des Buches. Fast drei Monate hat dieses Buch begleitet. Während dieser Zeit haben mich die Themen dieses Buches kaum losgelassen. Das hat viel Zeit gekostet. Und noch schlimmer, es hat mich auch noch ständig zum Querlesen, zum Nachschlagen in anderen Büchern verführt. Dabei scheint das Thema doch eigentlich trocken zu sein. Laut Untertitel wird hier die Geschichte des 19. Jahrhunderts erzählt. Aber schon das ist eigentlich ungenau. Denn erzählt wird auch schon viel über die amerikanische Unabhängigkeit und die französische Revolution, und auch der Kolonialismus nach 1900 und der Weg zum 1. Weltkrieg kommt nicht zu kurz. Offenbar geht es hier also um ein Jahrhundert, welches mindestens 150 Jahre dauert.

Aber vielleicht ist es gar nicht mal so die Vergangenheit, um die es hier geht. Der eigentliche Titel des Buches, "Die Verwandlung der Welt" trifft es hier viel besser. Es geht dem Autor offenbar darum, zu beschreiben und zu begründen, warum unsere heutige Welt so ist, wie wir sie jetzt erleben. Warum sehen unsere Städte so aus, wie sie heute aussehen? Warum sind sie so groß geraten, haben eine so komplexe Infrastruktur, haben eine Funktion im einem eigenen, globalen Netzwerk, das die großen Metropolen untereinander oft mehr zu verbinden scheint, also diese mit dem Land um sie herum verbunden sind? Warum erleben wir ein ungebremstes Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern, dass historisch ohne Beispiel ist, während ein anderer Teil der Welt Probleme mit der Überalterung und fehlendem Nachwuchs hat (was historisch zumindest selten war)? Wie sind die Massenmedien entstanden, so wir wie sie heute kennen? Wie erklärt sich die merkwürdige Verteilung von Armut und Reichtum in dieser Welt, und ist die Ungleichverteilung eine historische Konstante oder gibt es Alternativen zu der heutigen, spätkapitalistischen Welt? Sind Kapitalmärkte eine temporäre, historische Erscheinung oder einfach eine unvermeidliche Notwendigkeit, wie uns viele Politiker in den letzten Jahren weismachen wollten? Und vielleicht der aktuell spannendste Punkt: Was hat es eigentlich auf sich mit der merkwürdigen Hegemonie der Anreinerstaaten des nördlichen Atlantiks über den Rest der Welt? Der Überlegenheit der "Westlichen Zivilisation"? Und wenn wir über deren Voraussetzungen im 19. Jahrhundert sprechen: Dauern diese eigentlich heute noch an?

Ich persönlich habe ein Gefühl, dass mit diesem Buch eine Art von Standardwerk entstanden ist. Nicht so sehr als Nacherzählung der Geschichte des 19. Jahrhunderts, sondern eher als eine Erklärung der Ursprünge unserer eigenen Zeit. Diese zu verstehen, sich damit selbst zu verstehen, das könnte uns bei vielen aktuellen Konflikten wirklich weiter helfen. Meine Befürchtung ist nur, dass leider viel zu wenige Menschen in unserer Gesellschaft sich die Zeit nehmen werden, sich ernsthaft mit diesem Buch und seinen Inhalten auseinander zu setzen.

Ein Meilenstein der Geschichtsschreibung! (5 von 5 Punkten) schreibt L.
Im Grunde genommen könnte ich mir diese Rezension sparen, denn meine Vorredner haben über dieses monumentale Werk von Prof. Osterhammel bereits alles gesagt.

Prof. Osterhammel hebt mit dieser Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts die Meßlatte in diesem speziellen und ohnehin äußerst anspruchsvollen Bereich der Geschichtsschreibung um ein großes Stück an: Ein einnehmender und eleganter Sprachstil, angenehmes Unterlassen von einseitig subjektiver Wertung, sorgsam recherchierte Fakten in wahrlicher Hülle und Fülle. Und für die Ästheten: Wunderschön gebunden und auf qualitativ hochwertiges Papier gedruckt.

Kurzum: So sieht die geschriebene Vermittlung historischen Fachwissens auf höchstem Niveau aus. Glasklare Kaufempfehlung!

Sehr gut, nicht nur für Fachpersonen (5 von 5 Punkten) schreibt D.K.
Das Buch ist zwar sehr umfangreich, kann aber auch Abschnittweise gelesen werden, dank der sehr guten Strukturierung. Die einzelnen Abschnitte lassen sich demnach auch einzeln genießen - in etwa wie die Artikel einer detaillierten Enzyklopädie.

Der Autor, Professor in Konstanz, ist einer der modernen, in der Regel jüngeren Historiker, die sich um eine objektive (quasi naturwissenschaftliche) Verankerung ihres Fachs bemühen. Dementsprechend spielt bei ihm der theoretische Zugang zu den untersuchten Ereignissen die entscheidende Rolle: der erste Teil, "Annäherungen", ist der Technik gewidmet, dem Instrumentariums moderner Geschichte, und ich fand seine Ausführungen äußerst spannend.

Man untersucht ja Dinge, die sich in Raum und Zeit zugetragen haben. In welcher Koordinate soll der Historiker also den Schnitt legen: in der Zeit (gewisse Epoche) oder im Raum (Land, Reich, Kontinent, etc)? Untersuchungen, die beides wollen, also ausschöpfend in Raum und Zeit sein möchten, ufern leicht aus.

Der Autor entscheidet sich für eine flexible Mischtechnik, indem er sich relevante Themen vornimmt (etwa: Presse, Religion, Lebensbedingungen, etc), welche er am Beispiel einiger Kulturen vorstellt. Wie hat sich die freie Presse in Europa, Asien und Amerika entwickelt? Diese Regionen sind in etwa seine Leitmotive: Asien und Amerika als Vergleichsterme sorgen dafür, dass das Alte Kontinent nicht mehr als "Nabel der Welt" gilt, und ermöglicht einen globalen Blick.

Auf diese Weise entsteht ein Gesamtbild, aber nicht aus unzähligen Punkten, auch nicht aus groben Linien, sondern aus "Farbtupfern". Es erinnert mich an die impressionistische Malerei, oder an ein grobes Pixelbild, auf dem man zwar Details vermissen mag, aber dafür eine gute Vorstellung der Ganzen bekommt, auch in dynamischer Hinsicht. Für meine Begriffe eine effektive und faire Technik - sehr erfrischend.

Nicht zufällig wird die naturwissenschaftlich geschulte Leserschaft viele der verwendeten Begriffe wieder erkennen: Speichermedien, Statistik, Sattelzeit, Uhr und Beschleunigung, Raum/Zeit, Metageographie, Relativität von Raumvisionen, Interaktionsräume, etc - um einige Stichworte aus dem ersten Teil zu nennen.

Mein Fazit: ein sehr gutes Buch, welches nicht nur Fakten vermittelt (obgleich dieser Aspekt wahrlich nicht zu kurz kommt), sondern auch zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das man nach der ersten Lektüre sicherlich nicht im Regal wird verstauben lassen, sondern immer wieder mal hervorholen wird, um sich gut zu unterhalten - und um sich seine Gedanken zu machen.

Einziger Minuspunkt (wofür der Autor freilich nichts kann) durfte der Preis sein. Für Bibliotheken und Fachleute kein Problem, aber welcher Student/Studentin oder gar 'Otto-Normalleser' wird diese Anschaffung en passant tätigen? Hohe Verkaufszahlen hätte das Buch jedenfalls verdient.


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