Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel

Von Oliver Hilmes

Buch, Taschenbuch, 480 Seiten
Erschienen: 17. Oktober 2005
Sprache: Deutsch
Herausgeber: btb Verlag
Verkaufsrang: 6703 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783442734115
ISBN-10: 3442734118
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Witwe im Wahn: Das Leben der Alma Mahler-Werfel
Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich.
"Hilmes hat als Erster Alma Mahlers gesamten Nachlass, insbesondere ihre Tagebücher, ausgewertet und auf Grund dieses Materials ein schillerndes, präzises, unterhaltsames Porträt geschrieben."
Tages-Anzeiger
Hilmes' Biografie beruht auf authentischen Dokumenten und bietet ein ebenso spannendes wie erschreckendes Bild. […] Was hier ans Licht kommt, zeigt sie nicht als Muse, sondern als Furie."
Werner Fuld, Focus
"Eine schonungslose und ungeschönte Biographie."
NDR

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 20 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
ht (4 von 5 Punkten) schreibt h.
enthält vieles, was sie in ihrer auobiogafie nicht erwähnt. gut und sehr interessant zu lesen.

Ein sehr lesenswertes Buch (5 von 5 Punkten) schreibt D.D. aus Hausmannstätten
Ein wohl sehr genau recherchiertes Buch, dessen Inhalt allerdings auch eine gewisse distanzierte Einstellung des Verfassers nicht ganz verleugnen kann. Diese mag das Buch manchmal ein wenig subjektiv gefärbt erscheinen. Das Buch ist aber ein in jeder Hinsicht interessantes kultur-, und zeitgeschichtliches Kaleidoskop jener Zeit, in dem eigentlich alles was in der Kunst Rang und Namen hat, in den Alltag gehoben wird. Ich bin einer Rezension gefolgt, und habe erst dieses Buch und dann Almas Erinnerungen gelesen. Das ist sicher ein guter Vorschlag, um dieser auf jedenfall einzigartigen Frau einigermaßen gerecht werden zu können. Den Titel hätte ich nicht gewählt. Es ist ein Zeichen des Verfassers, trotz aller Bemühungen, dass er seine Einstellung Alma gegenüber dem Leser doch irgendwie aufzwingen möchte.

Auf die Knie vor mir, wenn ich bitten darf (5 von 5 Punkten) schreibt l. aus Köln
Roberto Bolano hat in seinem großen Werk 2666 empfohlen, "sich fremden Autoren erst einmal durch einen Tritt in die Eier" zu nähern. Was immer man von diesem Rat auch halten mag, er ist ganz und gar untypisch für das Verhältnis von Biographen zu ihrem Gegenstand. Normalerweise entfalten Biographen das Leben ihres Protagonisten mit Anteilnahme und Sympathie und wissen durchaus die eine oder andere Peinlichkeit in angenehmes Zimmerlicht zu tauchen. In der vorliegenden Biographie von Oliver Hilmes Witwe im Wahn" über Alma Mahler-Werfel verhält sich dies allerdings vollkommen anderes. Auf der Grundlage umfassenden Quellenstudiums, das auch zahlreiche bislang unausgewertete Dokumente mit einbezieht, versucht der Autor diese "Muse der modernen Kunst" bzw. dieses "erste Partyluder des 20. Jahrhunderts" so detailgetreu zu portraitieren, dass auch die persönlichen Unzulänglichkeiten und Brüche sichtbar werden. Vor allem holt er Alma Schindler-Mahler-Gropius-Werfel von dem Sockel herab, auf den sie sich selbst durch ihr autobiographisches Machwerk "Mein Leben" gestellt hat und seziert ihre Persönlichkeit wie ein Insektenforscher das Fliegengebein.

So ist ein Werk entstanden, das mit großem Gewinn in gleich mehrfacher Richtung gelesen werden kann. Zunächst handelt es sich um eine Art Kulturgeschichte der modernen Kunst, wobei weniger Alma Mahler als die staunenswerte Zahl erstrangiger Musiker, Maler, Architekten und Literaten von Alban Berg bis Zemlinsky interessieren, die ihren Lebensweg kreuzten. Man erfährt, dass Werfel zu seinem großen Armenierroman durch einen Besuch in den Teppichfabriken von Damaskus inspiriert wurde, man liest Internas und Dönekens aus Pacific Palisades, dem Refugium der deutschen Emigranten in Kalifornien, schaut hinter die Kulissen des Literaturbetriebes und in die Untiefen der Politik in der europäischen Zwischenkriegszeit.
Zweitens, und damit rückt Alma Mahler wirklich in den Mittelpunkt des Buches, handelt es sich um nicht weniger als um eine exemplarische Modellbiographie für all die Millionen Singles unserer Tage, die auf nichts weiter fixiert sind als auf die Exaltationen ihres Gefühlslebens und die permanente Erwartung der Großen Liebe. Alma Mahler unterlag zwar sicher nicht als erste einer radikalen Unbeständigkeit ihrer Gefühlswelt, die sie irrtümlich auf das mangelnde Format ihrer Partner zurückführte - sie war aber die erste, die die Dürftigkeit ihres Charakters in ihren Tagebüchern der Nachwelt auf das Akribischste überliefert hat. Dazu einige Kostproben: "Auf die Knie vor mir, wenn ich bitten darf", heißt es gleich an mehreren Stellen. Oder: "Eine Frau kann in vielen Kirchen beten", denn es gilt: "Je bedeutender der Mann, desto kränker seine Sexualität". Da machen auch ihre jüdischen Bekannten keine Ausnahme, über die sie samt und sonders urteilt: "Und wenn die Juden sich zehnmal die Haare blond färben, sie bleiben ein dunkles, wildes Ostvolk".

Manche mögen einwenden, dass eine Frau, die immerhin Mahler, Werfel, Gropius und Kokoschka und zahlreichen Sekundärgenies die Sinne verwirrte, so ganz unbedeutend nicht gewesen sein kann. In Oliver Hilmes Biographie gewinnt der Leser allerdings den Eindruck, als sei Alma Mahler nicht für die Lichtseiten dieser großen Männer sondern immer nur für den Bodensatz ihrer Seelen zuständig gewesen und als gehöre sie zu jenen Personen, die alles und jedes, das sie berühren, emotional und faktisch zugrunde richten. "Die Frau ist ein wildes, blondes Weib, gewalttätig saufend", notierte Remarque 1944 über die alte Alma. "Gustav Mahler hat sie bereits unter die Erde gebracht, Kokoschka und Gropius sind ihr entkommen, Werfel wird das nicht schaffen."

Alles in allem ein ungemein unterhaltsames und lehrreiches Werk, das mit seinem Gegenstand hart ins Gericht geht - versehen mit zahlreichen Abbildungen, einem Register und einem ausführlichen Literaturverzeichnis handelt es sich um eine der herausragenden kulturgeschichtlichen Monographien des deutschen Sprachraumes.

spiegel einer gesellschaft (5 von 5 Punkten) schreibt B.B. aus steiermark
viel hab ich ja nicht konkret über alma mahler-gropius-werfel gehört bisher, außer, dass sie mit vielen bekannten und herausragenden männern liiert war.

diese biografie finde ich auf alle fälle großartig und sehr gut recherchiert. dass dies kein leichtes unterfangen war, beschreibt der autor auch gleich am anfang des buches und auch wie er zu seinem material kam, wie er es mit almas autobiographie hält und erläutert auch ein wenig bisher erschienene biografien und ihre quellen.

man mag über alma denken wie man möchte, für mich kam hier aber der spiegel der damaligen gesellschaft stark heraus, wie frauen (ohn)mächtig waren und wurden.
das leben der alma mahler-gropius-werfel spielte sich in einer zeit ab, wo sigmund freud die psychotherapie begründete und festmachte. es war die zeit, wo frauen als hysterisch beschrieben wurden und dies auch ein krankheitsbild war.
aber was stand wirklich dahinter?

da war bildung für frauen nicht wichtig und vorallem seltenst durchgängig in den mädchen-und jugendjahren.
noch so talentiert konnte eine frau sein- ihr schicksal war doch eindeutig festgelegt- hausfrau, mutter und nesthüterin.
einen partner zu finden, mit dem man auf augenhöhe stand, der einen intelektuell förderte oder mit dem man gemeinsam wissenschaftlich, künstlerisch arbeiten konnte, war so gut wie ausgeschlossen. diese zustände beschreibt der autor durch seine biographie "witwe im wahn"- den titel finde ich übrigens nicht wirklich treffend.

alma hatte auch andere pläne für ihr leben- pläne wo sie musik schrieb, musikalisch sich entwickeln konnte und vor allem anerkannt in ihrem künstlerischen tun werden konnte.
damit hat sie wohl ihr leben lang gerungen.
ihre bewältigungsstrategie war diese, dass sie einerseits großartige männer in ihrer künstlerischen ausdruckskraft dahingehend förderte, dass sie sie einerseits demütigte, also in gefühlswelten stürzen ließ, die grenzwertig waren und andererseits muss diese frau eine ausstrahlung an den tag gelegt haben, die so einmalig und frech zu dieser zeit war, dass man ihr mehr oder weniger erliegen musste.

wenn sie nicht mit ihrer härte und stärke damals aus nazideutschland mit ihrem dritten mann franz werfel geflüchtet wäre und ihn angetrieben hätte nach spanien zu flüchten, wäre werfel wohl in einem kz verstorben und nicht in den usa. und klaus mann hätte die strapazen der flucht wohl auch nicht überlebt, wäre nicht alma an der seite seiner frau und ihm gewesen.

alma hat gelitten unter der nicht entfaltung ihres künstlerischen könnens und den diktaten der zeit, aber sie war damals möglicherweise sowas wie ein beruflicher coach für die menschen- vorallem männer, die um sie waren. die methoden sind natürlich nicht gerade feinfühlend oder empathisch gewesen, dennoch hatten auch damals die menschen die freiheit zu gehen, vorallem männer, weil finanziell unabhängig und moralisch sowieso- nur, die meisten blieben bei alma, weil sie offenbar auch eine kollektive schuld empfanden.

wie auch immer- dieses buch ist wirklich großartig und spannend zu lesen, es empfiehlt sich, das urteil über alma nicht im moment der beschreibung ihrer untaten zu fällen, sondern diese frau als ein beispiel von frauen und ihren inneren auseinandersetzungen, träumen und tränen zu sehen, in einer zeit, die mädchen-und frauenentwicklung -und rollen unflexibel vorgegeben haben und an dessen system viele tolle frauen mit ihren begabungen untergegangen und gescheitert sind.

ein leiden war es allemal, wenn man sich nicht in diese rollenzuschreibungen fügen konnte und wollte- ob geisteskrank als hysterikerin abgestempelt oder ob als eine frau wie alma, die den alkohol benötigte um ihre spannungen zu ertragen und dennoch ihren weg zu gehen.

gehört auf alle fälle in jede bibliothek und zeigt auch ein wenig österreichische politik.



Für alle, die eine Diva des letzten Jahrhunderts persönlich kennenlernen wollen (5 von 5 Punkten) schreibt R.B. aus Wien
Dieses Buch bietet die Möglichkeit, eine Diva des letzten Jahrhunderts persönlich kennen zu lernen. Dabei versucht der Autor ganz deutlich, kritisch und objektiv zu bleiben und stellt auch widersprüchlich hinterbliebene Beschreibungen von Ereignissen (wie der Konflikt von Alma mit Th.Mann oder ihr Antisemitismus) bspsw. von bisherigen "verschönerten" Bigografien (wie vor allem jener, die Alma selbst verfasste) sowie anderer Zeitzeugen kritisch einander gegenüber und lässt dies für sich selbst sprechen. Man erhält einen sehr guten Einblick und vor allem, was mir gefiel, ein "Gefühl" für die Persönlichkeit und den Charakter von Alma, ihre Familienstrukturen, ihr heikles Verhältnis zu ihrer Tochter Anna, ihr spezielles Verhältnis zu ihren Eltern, ihr Anerkennungs- und Geltungsdrang... Gleichzeitig erfährt man viel über ihre Wegbegleiter wie Mahler, Werfel, Kokoschka oder Klimt und erfährt so eine "unbekannte, intime Seite" dieser begabten Männer. Der Schreibstil ist gut lesbar, interessante Fotos und Briefexzerpe werten das Buch weiter auf. Empfehlenswert- bis auf die Einleitung- diese ist eine Selbstverherrlichung des Autors an sein Werk und sich selbst- wie unnötig!

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