So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung

Von Christoph Schlingensief

Buch, Gebundene Ausgabe, 254 Seiten, 1. Auflage
Erschienen: 20. April 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Kiepenheuer & Witsch
Verkaufsrang: 350 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783462041118
ISBN-10: 3462041118
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So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung
Ich habe lernen müssen, auf dem Sofa zu liegen und nichts anderes zu tun, als Gedanken zu denken.
Wie weiterleben, wenn man von einem Moment auf den anderen aus der Lebensbahn geworfen wird, wenn der Tod plötzlich nahe rückt? Mit seinem Tagebuch einer Krebserkrankung lässt uns Christoph Schlingensief teilhaben an seiner eindringlichen Suche nach sich selbst, nach Gott, nach der Liebe zum Leben. Im Januar 2008 wird bei dem bekannten Film-, Theater- und Opernregisseur, Aktions- und Installationskünstler Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert. Ein Lungenflügel wird entfernt, Chemotherapie und Bestrahlungen folgen, die Prognose ist ungewiss - ein Albtraum der Freiheitsberaubung, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Doch schon einige Tage nach der Diagnose beginnt Christoph Schlingensief zu sprechen, mit sich selbst, mit Freunden, mit seinem toten Vater, mit Gott - fast immer eingeschaltet: ein Diktiergerät, das diese Gespräche aufzeichnet. Mal wütend und trotzig, mal traurig und verzweifelt, aber immer mit berührender Poesie und Wärme umkreist er die Fragen, die ihm die Krankheit aufzwingen: Wer ist man gewesen? Was kann man noch werden? Wie weiterarbeiten, wenn das Tempo der Welt plötzlich zu schnell geworden ist? Wie lernen, sich in der Krankheit einzurichten? Wie sterben, wenn sich die Dinge zum Schlechten wenden? Und wo ist eigentlich Gott? Dieses bewegende Protokoll einer Selbstbefragung ist ein Geschenk an uns alle, an Kranke wie Gesunde, denen allzu oft die Worte fehlen, wenn Krankheit und Tod in das Leben einbrechen. Eine Kur der Worte gegen das Verstummen - und nicht zuletzt eine Liebeserklärung an diese Welt.

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 23 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Fast ein Sachbuch (3 von 5 Punkten) schreibt S.
Bin kein großer Opernfan und kenne Schlingensief eher aus dem Feuilleton ganz allgemein aus den Medien.

Wegen der zahlreichen sehr positiven Rezensionen und weil ich einfach gerne lese, habe ich mir das Buch gekauft. Ich weiß nicht ob es an mir liegt, aber ich kann wenig bis gar nichts aus den positiven Rezensionen nachempfinden. Dieses Buch hat es nicht geschafft, mich zu berühren. Ich empfinde es als seltsam distanziert, fast wie ein Sachbuch, empfinde Schlingensief's Erzählstil als anstrengend. Obwohl der Autor ja einen Einblick in eine sehr belastende, sehr persönliche Situation gibt, bleibt er mir fremd. Ich wusste nicht, dass er wohl die meisten Passagen in ein Diktiergerät gesprochen hat und das Buch ist dementsprechend rein chronologisch aufgebaut. Ob das aber den Unterschied zu anderer Literatur zum gleichen Thema ausmacht?

Denke ich an Leonhard Lentz "Der Indianer" oder Ruth Picardie "Es wird mir fehlen, das Leben", werden beide Autoren sofort vor meinem geistigen Auge lebendig. Obwohl beide die Krankheit nicht überlebt haben. Das Buch von Lentz ist von Anfang der 90er Jahre, das von Picardie aus den späten 90ern. Das ist immerhin schon eine Weile her. Schlingensief habe ich eben ausgelesen und schon nahezu alles vergessen.

Schade. Hatte mir sein Buch, insbesondere nach den vielen 5-Sterne-Rezensionen, völlig anders vorgestellt und bleibe etwas ratlos zurück.

Für von dieser Krankheit betroffene Menschen ist dieses Buch eine Ermutigung, nicht aufzugeben, vor allem die Würde nicht (5 von 5 Punkten) schreibt W.S. aus Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland

Der berühmte Regisseur und Energiekünstler, der Tausendsassa der deutschen Kultur- und Theaterszene, jener Mann, der seit Jahren sprüht vor Ideen und der ruhelos von einem Projekt zum anderen hetzt, sieht sich Anfang 2008 von einem Tag auf den anderen mit der Diagnose eines Lungenkrebses konfrontiert; sein einer Lungenflügel ist betroffen, obwohl er doch gar nicht raucht.

Und so wie seine beruflichen Projekte versucht auch er auch diese Nachricht aufzunehmen. Er nimmt sich ein Diktiergerät und vertraut diesem Gerät in den folgenden Monaten fast täglich all das an, was er erlebt, denkt und fühlt:
"Dieses Buch ist das Dokument einer Erkrankung, keine Kampfschrift. Zumindest keine Kampfschrift gegen eine Krankheit namens Krebs. Aber vielleicht eine für die Autonomie des Kranken und gegen die Sprachlosigkeit des Sterbens. Meine Gedanken aufzuzeichnen, hat mir jedenfalls geholfen, das Schlimmste, was ich je erlebt habe, zu verstehen und mich gegen den Verlust meiner Autonomie zu wehren. Vielleicht hilft es nun auch einigen, diese Aufzeichnungen zu lesen. Denn es geht hier nicht um ein besonderes Schicksal, sondern um eines unter Millionen", schreibt er Ende März 2009 in seinem Vorwort, als nach einer vorübergehenden Verbesserung seines Zustandes durch eine Operation und eine anschließende Chemotherapie, sich auch in seinem verbliebenen Lungenflügel Metastasen gebildet haben.

Es ist ein schreckliches Buch, das Schlingensief da geschrieben hat, weil es von einer Krankheit handelt, gegen die ein Mensch sich letztlich nicht wehren kann. Es ist ein elendes, ein wahnsinnig trauriges Buch, aber auch ein sehr schönes Buch, weil es seinem Autor gelingt, eine Authentizität herzustellen, die unter die Haut geht.

In einem Leben, dass immer bestand aus Energie, völliger Freiheit, Plötzlichkeit und die Menschen mitreißendem Enthusiasmus, aus Wut und grenzenloser Phantasie, hat der Krebs die Macht übernommen.
Zunächst ist Christoph Schlingensief noch richtig bemüht, seine Diktate zu inszenieren, ist selbst ganz hingerissen von den vielen neuen Bildern, die ein solch radikal neuer Lebenszustand mit sich bringt:
"Es gibt eben Bilder, die haben keine Eindeutigkeit, in so einem Bild befinde ich mich zurzeit. Und ich habe das schließlich immer gemocht, dass es Bilder gibt, die nicht eindeutig sind, die aus Überblendungen bestehen und auf die die Leute völlig unterschiedlich reagieren."

Er besucht das Grab seines Vaters, träumt davon ein Opernhaus in Afrika zu bauen, wenn er wieder gesund wird und er setzt sich mit Gott auseinander. Mal ist er ihm nahe, mal ganz fern. Diese Gespräche mit Gott waren für mich die anrührendsten Passagen in einem Buch, das einen nicht kalt lassen kann. Wenn er etwa einfach schreibt: "Und ich lebe doch so gerne." Oder wenn er immer wieder mit Gott rechtet, einen Gott, den er durchaus als seinen Gott ansieht, und ihn anklagt wie damals Hiob: "Und das lieber, Gott, ist die größte Enttäuschung, dass du ein Glückskind einfach so zertrittst."

Das Buch ist ein Dokument eines Menschen, der so wie viele andere sprachlose Krebskranken vor ihm alle Phasen der Krankheit durchkämpfen muss, den Schock der ersten Nachricht, die Diagnose, die Hoffnung auf die Therapie, deren unsägliches Leid und am Ende doch zu spüren, dass man den Kampf verlieren wird. Aber er bleibt nicht sprachlos in seinem Leid; er spricht darüber, und behält gerade dadurch seine Menschenwürde bis zum nahen Ende, als er beginnt, Abschiedsbriefe in sein Handy zu tippen und jeder Optimismus verflogen ist.

Für von dieser Krankheit betroffene Menschen ist dieses Buch eine Ermutigung, nicht aufzugeben, vor allem, nicht die Würde aufzugeben, obwohl sie einem an jeder Ecke des medizinischen Betriebs geraubt wird. Für einen gesunden Leser wie den Rezensenten ist die Lektüre eine permanente Frage an sich selbst, wie man in einer solchen Situation handeln und entscheiden würde.

Und es bleibt zurück ein Gefühl der Dankbarkeit über jeden neuen Tag geschenktes Leben.





Mir hat's gefallen (5 von 5 Punkten) schreibt N.S.
Wer bei diesem Buch einen ausführlichen Leidensbericht mit allen Schikanen erwartet wird enttäuscht. Oft fehlen Teile der "Handlung" und man wird eher ins kalte Wasser geworfen. Doch darum ging es für mich beim Lesen dieses Buchs gar nicht. Ich empfand die Darstellung des Prozesses der Selbstfindung und den Umgang mit der Krankheit wesentlich interessanter. Man lernt den Autor auszugsweise kennen und kann nicht alles in ein harmonisches Bild setzen. Das Buch hat mich zum Nachdenken gebracht und das ist alles, was man sich von einem guten Buch wünschen kann. Nichts ist schlimmer als einfach die Lösung am Ende präsentiert zu bekommen.
Für mich war das Buch eine Bereicherung.

Wenig Leben/Menschen, viel Gott/Vater Schuld und Sühne (2 von 5 Punkten) schreibt J.L. aus Hamburg
Leider kommt der Mensch nur selten vor (Ausnahme Aino und Dr. Kaiser). Es geht viele, viele Seiten lang um die Gottesfrage und um die Beziehung zum verstorbenen Vater bzw. dessen Einstellung zum Leben.
Sollte Herr Schlingensief dieses hier lesen, so möchte ich sagen, dass ich mich natürlich nicht darüber aufregen darf, was er in seiner Gefühlslage in sein Diktiergerät säuselt. Ich bin halt eher ein "Aino-Typ" und brauche Gott (vielleicht noch) nicht. Der Gefühlswahnsinn mit Aino war aber schön zu lesen und hat mich sehr berührt.
Manchmal sind die Zeitlücken zu groß und manchmal zu klein. Es ist halt kein geplantes Buch und ich liebe nichts mehr als die Realität und Spontanität. Alles Gute! (Mit warmen Menschen auch ohne Gott)

Wer dem Tod begegnet ist, hat das Leben verstanden (5 von 5 Punkten) schreibt U.L.
Eine Liebeserklärung an das Leben? Eine Kriegserklärung an den Tod?
Ein Notruf an all die da oben, die tödliche Schicksalspläne schmieden?
Vielleicht auch ein verzweifelter Versuch, das Hier und Jetzt festzuhalten.
In der gleichzeitigen Tuchfühlung mit einer jenseitigen Welt.
Ein Seelenbekenntnis, das selbst den Himmel aufhorchen lässt.
Und eine Diagnose, die einen Ra(s)tlosen zum Innehalten zwingt.

Christoph Schlingensief taucht in seiner todernsten Begegnung mit seiner
bedrohlichen Krankheit in alle Seelentiefen ein.
Mal gehalten von einer unerschütterlichen Hoffnung, dann wieder fallen
gelassen von der zugeschütteten Angst, sterben zu müssen.
Mit der immer wiederkehrenden Frage:
wo bleibt der allmächtige Gott in dieser ohnmächtigen Zeit?
Und wo bitte sehr seine göttliche Gnade in diesem ungnädigen Schicksal?
Er scheint sich in Luft aufzulösen, wo man um Atem ringt.
Selbst seine himmlischen Helfer glänzen durch Abwesenheit.
Hat Schicksal überhaupt ein Gefühl für Zeit? Dafür, wann Menschen bereit sind,
zu gehen? All diese Fragen stellt sich ein Todkranker, der am Leben festhält.
Sein unvollendetes Werk erfüllt sehen möchte. Und seinen ungebrochenen
Überlebenswillen auf geballten Hoffnungshänden trägt.
Christoph Schlingensief scheint in aller Verlassenheit dennoch einen irdischen Engel
an seiner Seite zu haben. Dem dieses Buch gewidmet ist.
Ob er von Gott geschickt wurde, sei dahingestellt.

Ein Schicksal, das in aller Mutlosigkeit den Weg der Demut findet. Ja sogar neue
Lebenspläne im Angesicht des Todes schmiedet. Und jeden gelebten Augenblick
als geschenkte Ewigkeit annimmt.
Ein Buch, das Schicksal tragenden Menschen Mut macht, ihre schlaflosen Nächte
in Tagträume zu verwandeln. Jeden einzelnen Hoffnungsfaden als Anfang einer
neuen Zeitrechnung zu nehmen.
Schade nur, dass ausgerechnet Vertreter der Kirche dieses kostbare Dokument
des Lebens anzweifeln. Ja sogar als Provokation bezeichnen.
Als christliche Vorbilder sollten gerade sie begriffen haben, dass jeder Seelenschmerz
seinen Ausdruck finden muss.
Danke, lieber Christoph Schlingensief, für dieses leidgesäumte, schmerzdurchlebte,
heilsame Buch!



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