Seegrund: Kluftingers dritter Fall

Von Volker Klüpfel, Michael Kobr

Buch, Broschiert, 352 Seiten, 11. Auflage
Erschienen: Januar 2008
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Piper
Verkaufsrang: 350 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783492250948
ISBN-10: 3492250947
ASIN: 3492250947 (Amazon-Bestellnummer)
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Seegrund: Kluftingers dritter Fall
Kleine schaurige Heimatkunde vorweg: Wer den Zugang zur Hölle suche, heißt es drohend auf der Website des Bayrischen Rundfunks, Abt. "Land und Leute", liege beim Alatsee nahe Füssen genau richtig: Blutrote Färbung, purpurnes Nebelgewalle, tief unten, mangels Sauerstoff, nichts als der Tod!!!! Als wäre dies und der infernalische Schwefelgeruch nicht genug, soll auch noch ein verfluchter Mönch aus dem 17. Jahrhundert mit Rassel und Geheul seinen Soundtrack beisteuern. Ach ja, ein düsteres Geheimnis aus Deutschlands dunkelster Zeit soll hier angeblich auch noch versenkt liegen. Davon erwähnt der Bayrische Rundfunk allerdings nichts. Alles in allem also, kein schlechter Startplatz für Kommissar Kluftingers langerwarteten dritten Fall.
Dabei wollten der bärbeißige Allgäuer und seine Erika lediglich ihren Sohn und dessen neue Freundin in Füssen zum gemeinsamen Weihnachtsfest abholen. Nachdem Kluftingers xenophobes Hassgebrummel gegen japanische Neuschwansteinbesucher abrupt endet, als er entgeistert feststellen muss, dass Markus? Neue aus dem Lande Nippon stammt, entschließt man sich zu einem Beruhigungsspaziergang entlang des idyllischen Bergsees. Der letzte Rest vorweihnachtlicher Stimmung fleucht ins Gebirg?, als die vier auf eine männliche Leiche in einer riesigen Blutlache stoßen. Angesichts der rätselhaften Zeichnung, die der Tote vor seinem gewaltsamen Ableben in den Schnee gekratzt hat, startet Kluftinger durch!
Bajuwarisches Mythengewaber, heimatlich wohliges Kässpätzle-Feeling, ein grantelnder Kriminaler, der die Maske voralpenländischer Betulichkeit oft genug herunterreißt -, das Autorenduo Klüpfel und Kobr scheint auf eine Goldader gestoßen zu sein, wie die Leserzuschriften beweisen. Ob im Nahkampf mit dem Fotohandy, seinem krudem Englisch ("?your sunbrill, Miss!"), oder dem größten anzunehmenden Ungemach in Gestalt einer neuen Assistentin an seiner Seite -, gemächlich tapsend wie Braunbär Bruno treibt Kluftinger seine Allgäuer Ermittlungen um den toten Taucher vom Alatsee voran. Gestalten die sich anfänglich noch unerwartet zäh, so führen bald alle Hinweise auf den Grund des Alpengewässers und seines blutroten Geheimnisses, von dem der Bayrische Rundfunk, Abt. "Land und Leute" partout nichts wissen wollte. Wir aber sind gerne eingetaucht in den schaurig-schönen Höllenschaum und freuen uns jetzt schon auf den vierten Kluftinger-Fall. -Ravi Unger

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 103 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Bisher bester Fall (5 von 5 Punkten) schreibt P.B. aus Leoben
Seegrund ist bis jetzt das beste Buch der Kluftinger-Reihe.
Sehr spannend, kann ich nur weiterempfehlen

Einfach schlecht geschrieben (1 von 5 Punkten) schreibt Z. aus Herne
Dieses Buch rangiert gleichzeitig unter den Kategorien "Krimi" und "Komik". Sortieren wir also unsere Rezension entsprechend.

Der Krimiteil nimmt im gesamten Buch den geringsten Raum ein - hauptsächlich geht es um das Familienleben des Kommissars und in zweiter Linie um sein Verhältnis zu männlichen und weiblichen Kollegen. Das gerät natürlich zu Lasten des Krimis.

Ein Spannungsbogen kann sich kaum aufbauen, wenn eine interessante Entwicklung des Kriminalfalls erst einmal von einer langatmigen Geschichte gefolgt wird, wie der Kommissar ein Weihnachtsgeschenk kauft oder einen Skiausflug unternimmt. Zweitens ist ein Gutteil der Spannung weg, wenn bereits zu Beginn der Ermittlungen ein Erklärungstext eingeschoben wird, der den Mordfall bereits weitgehend aufklärt. In Rezensionen ist so etwas verpönt - hier machen es die Autoren selber. Was sie dabei geritten hat, bleibt rätselhaft. Drittens reagieren fast sämtliche Personen vollkommen unnatürlich - beim Mörder angefangen (kein Mensch begeht einen Mord so, wie ihn die Autoren schildern) bis hin zu praktisch sämtlichen Zeugen, die (a) verrückt sind (ein Schamane, ein Gastwirt) oder (b) es bei Andeutungen belassen ("den Rest müssen Sie selbst herausfinden" wird gleich mehrfach gesagt) oder (c) unfreundlich und unkooperativ (fast alle übrigen).

Vollkommen verhoben haben sich die Autoren bei dem Versuch, aus einem braven Hausmacherkrimi einen Politthriller zu machen - mit Geheimwaffen, Nazi-Gold und Verschwörungen. Das wirkt bemüht und peinlich.

Zwischenfazit 1: Ein schlechter Krimi, dem die wichtigsten Zutaten fehlen, nämlich (a) Spannung und (b) Realitätsgehalt, der ja das beklemmende Gefühl erzeugen soll, so etwas könnte einem selber passieren.

Kommen wir zum Komikteil. Die Komik soll erzeugt werden, indem man sich über einen Kleinbürger amüsiert, der einen begrenzten Intellekt aufweist, der ein engstirniges Weltbild hat und der Probleme mit moderner Technik hat. Ich finde das unglaublich lustig. Das beginnt damit, dass der Kommissar seine japanische Schwiegertochter in spe am Aufgang zum Schloss Neuschwanstein mit einer Touristin verwechselt und mit schlechtem Englisch anspricht. Ein echter Schenkelklopfer! Dann lässt er sich von einer Verkäuferin für seine Frau Unterwäsche andrehen, obwohl er nur einen Bademantel kaufen wollte. Was für ein Brüller! Dann zieht er sich auf der Theatertoilette um und wird dabei von einem Mann gesehen. Zum Totlachen! Er bestellt bei einem ungarischen Wirt seine geliebten Kässpatzen und bekommt sie mit Letscho serviert. Was für ein engstirniger Spießer, dass ihm das nicht schmeckt!

Man muss wohl schon einige Maß Weißbier getrunken haben, um solch schlichte Witze humorvoll zu finden. Und man muss eine verdammte soziale Arroganz aufweisen, um sich darüber lustig zu machen, dass ein Beamter der Besoldungsgruppe A9 einem Arzt intellektuell unterlegen ist.

Dabei tritt eine seltsame Psychologie an den Tag: Es wird ein Mensch beschrieben, der aufgrund seiner eigenen Vorurteile ständig einen roten Kopf bekommt. Entweder hat ein Mensch Vorurteile - dann schämt er sich nicht dafür. Oder er hat keine und hat auch keinen Grund, sich zu schämen. Offensichtlich schämen sich die Autoren für die Figur, die sie selbst erschaffen haben. Geschieht ihnen auch recht - den Leser aber nervt es.

Zwischenfazit 2: Ein platter Humor, der zudem noch überdick aufgetragen ist und sich in Ermangelung besserer Einfälle selber mehrfach wiederholt.

Gesamtfazit: Das Buch ist weder ein ordentlicher Krimi noch ist es lustig. Man hat den Eindruck einer Fließbandproduktion von Autoren, die das schreiberische Handwerk noch nicht einmal richtig beherrschen. Schade um die Idee - der Alatsee hat es nämlich wirklich in sich und wäre es würdig, zur Kulisse eines professionell geschriebenen Thrillers zu avancieren.

Eher ein seichtes Wasser (3 von 5 Punkten) schreibt K.H. aus Weyhe-Melchiorshausen
Man nehme einen tiefen, schwarzen See, etwas Bernsteinzimmer oder Nazi-Gold, einige alte Herren aus dieser Zeit und schon gruselt es manchem ein wenig, doch so richtig spannend ist das nicht.

Jedes Mal bauen die Autoren ferner eine "luschtige" Szene mit Klufti ein. Der "running gag" dieses (Hör-) Buches ist Kluftingers Besuch in einem japanischen Restaurant. Ha-ha.

Wer "Allgäuer Kässpatzen" mag, findet auch im Hörbuch das Rezept dazu. Danke.

Wie bereits bei den anderen Hörbüchern der Kluftinger-Reihe angemerkt, sind Autoren meines Erachtens auch in diesem Falle nicht gut beraten, ihre Werke selber vorzutragen. Besser man ließe die "Kluftinger"-Kriminalromane von einem professionellen Schauspieler vorlesen - ich denke dialektal zum Beispiel an Dieter-Werner Steck - oder inszenierte sie gar als Hörspiel. Die Autoren würden ja vermutlich auch nicht die Hauptrollen in den Verfilmungen spielen wollen. Einer der Herren Autoren war zudem offenbar während der Aufnahmen im Tonstudio erkältet und näselt erheblich - das würden Profis nicht zulassen. Leider näselt gerade NICHT erkältete Kluftinger, sondern einer der anderen Kollegen.

Fazit: Flache, stereotype Krimikost, aber eben kultig. Einmal hören, kurz lachen und vergessen.

Netter Heimatkrimi (3 von 5 Punkten) schreibt C.P. aus Berlin
"Seegrund" ist ein typischer Heimatkrimi, wie sie gerade en vogue sind. Der Kommissar ist natürlich ein Schrat und der zu lösende Fall reichlich kompliziert und geheimnisvoll in der Vergangenheit wurzelnd. Das Ganze ist natürlich ein bißchen "krachledern" (auch wenn's nicht in Bayern, sondern Schwaben spielt) und hat auch nicht allzu viel mit realistischer Polizeiarbeit zu tun. Dafür liest sich's nett und unterhaltsam. Die Story, die sich die beiden Autoren rings um den tatsächlich ziemlich geheimnisvollen Alatsee ausgedacht haben, ist durchaus spannend, die Schrullen des Kommissar Kluftinger hätten allerdings etwas dezenter ausfallen dürfen. Spätestens der ausführlich behandelte Skiausflug, der überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hat, dafür aber viel mit Kluftingers privatem "Zickenkrieg" (auch wenns Männer sind) gegen seinen Intimfeind, ist dann eindeutig des Guten zuviel.

Sehr spannend und ein bisschen unheimlich (5 von 5 Punkten) schreibt S.R. aus Erlangen
Der dritte Band über Kluftinger hat alles, was einen guten Krimi ausmacht: Spannung bis zur letzten Seite, viel Humor, Welten, die aufeinander treffen (die Freundin seines Sohnes ist für alle eine Überraschung) und wieder viel aus der Allgäuer Geschichte.
Daher sehr zu empfehlen. Ich freue mich schon auf weitere Bände.

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