Fassen Sie sich bitte kurz: Gedanken und Erinnerungen Zu Fragen von Karel Hvíd'ala

Václav Havel

Taschenbuch
Ausgabe vom 16. März 2007
Verkaufsrang: 149664 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783498029906
ASIN: 3498029908 (Amazon-Bestellnummer)
Fassen Sie sich bitte kurz: Gedanken und Erinnerungen  Zu Fragen von Karel Hvíd'ala - Václav Havel
Schon auf die erste Frage -? ob er sich als "Star" der Opposition gefühlt habe - folgt das Outing. Václav Havel verweist auf seine Selbstzweifel und sein mangelndes Selbstwertgefühl. Dagegen stünden seine integrativen Kräfte, gespeist aus dem Widerwillen gegen "dicke Luft" und Konflikthaftes. Wann hat man je solches aus dem Munde eines ehemaligen Staatsmannes vernommen? Schlüpfrig und ganz und gar wider seine Natur war das diplomatische Parkett für den hochsensiblen Dramatiker, der im Dezember 1989 zum Staatspräsident der Tschechoslowakei gewählt wurde. Havels förmlich gequälte Tagebucheinträge geben Zeugnis davon. Und doch, konnte es eine bessere Integrationsfigur geben, die Tschechoslowakei durch den Wirbel der Wendezeit zu geleiten? Václav Havel blickt auf seine Amtszeit zurück. Und sieht noch vieles mehr!
Fernverhör, das erste Interviewbuch aus dem Jahr 1986 (das erst zu Havels Amtsantritt frei publiziert werden durfte), findet hier seine Fortsetzung. Erneut erweist sich Karel Hví?d´ala als seriös bohrender Fragesteller (mit leichter "Neigung zu pikanten Themen", wie Havel amüsiert feststellt). Noch einmal durchleben wir die Schicksalsstunden, aus denen der ehemalige Dissident und Häftling zur identitätsstiftenden Lichtgestalt emporwuchs. Das Leben auf der Burg, umgeben von Hofschranzen und loyalen Mitarbeitern. Die Geburtswehen Tschechiens und der Slowakei. Das Leben an der Seite zweier starker Frauen (die "pikanten Themen"). Havels lebensbedrohende Erkrankung. Die Depressionen. Am Ende schreibt der verletzliche, aber stets Haltung bewahrende Sympathieträger dem Vereinigten Europa einige nachdrückliche Gedanken in Sachen Ost-Erweiterung und Globalisierung ins Poesiealbum.
Die dem Interview zwischengeschalteten Aktennotizen und Selbstreflexionen sind in ihrer intimen Offenheit fast spannender als der Fragenmarathon selbst, erlauben sie doch tiefe Einblicke in das Wesen Havels, dieser Mischung aus künstlerischer Sensibilität, Lebenslust und Lebensklugheit. Die Nahaufnahme enthüllt einen oft zerrissenen Entscheidungsträger in einem bürokratischen Absurdistan, das stark an Havels Liebling Kafka erinnert. Die Passagen über das unmenschliche Funktionierenmüssen angesichts des Krebstodes seiner ersten Frau Olga sind erschütternde Momente, in denen der Pragmatiker Havel sichtbar wird, aber auch jener mitfühlende Menschenlotse, der seine Heimat, für alle Welt sichtbar, durch schwierigstes Fahrwasser geleitete. -? Ravi Unger