Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation

Von Friedemann Schulz von Thun

Buch, Taschenbuch, 272 Seiten, 46. Auflage
Erschienen: 1. Oktober 1981
Sprache: Deutsch
Herausgeber: rororo
Verkaufsrang: 310 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783499174896
ISBN-10: 3499174898
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Miteinander reden 1: Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation
Kommunikationspsychologische Erkenntnisse dienen zwar Therapeuten als Instrumente, sie gehören jedoch nicht in die Geheimfächer der Psychologie, sondern in die Hand von jedermann. Als Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt sind beide Bände verständlich geschrieben, mit vielen Beispielen, Abbildungen und Übungen. Manches kann schiefgehen, wenn wir miteinander reden. Geglückte Kommunikation hängt nicht nur vom "guten Willen" ab, sondern auch von der Fähigkeit zu durchschauen, welche seelischen Vorgänge und zwischenmenschlichen Verwicklungen ins Spiel kommen, wenn Ich und Du aneinandergeraten. Die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation hat etwas anzubieten, wenn wir persönlich und sachlich besser miteinander klarkommen wollen. "Miteinander reden 1" enthält das Handwerkszeug dafür Analysen typischer Störungen und Anleitungen zur Selbstklärung, zur Sach- und Beziehungsklärung. Wenn jemand etwas von sich gibt, dann enthält seine Mitteilung vier psychisch bedeutsame Seiten Selbstoffenbarung, Sachinhalt, Beziehungshinweis und Appell. Von den typischen Problemen, die mit jedem dieser vier Aspekte verbunden sind, greift dieser Band diejenigen auf, die uns alle mehr oder minder stark beschäftigen. Demgegenüber richtet Band 2 sein Augenmerk auf die unterschiedlichen Kommunikationsstile verschiedener Menschen und entwirft jeweils auf die Stile abgestimmte Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung.

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 41 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Wichtig, eindrücklich, authentisch, hilfreich (5 von 5 Punkten) schreibt H.J.K. aus Zuerich
I. Generelles

1. Wichtigkeit

Da stehen die wichtigen Bücher in der Bibliothek, nur ergibt sich das erst mit der Lektüre. Weil vieles nach der Lektüre ruft, bleibt Wichtiges zu lange stehen. So ging es mir mit Schultz von Thun: Es ist bedeutsame, edukative, lebenswichtige Lektüre.

2. Eindrücklichkeit

Schultz von Thun folgt seinen eigenen Prinzipen der Kommunikation, wenn er schreibt. Also sind die Bücher transparent strukturiert, verständlich geschrieben, abwechlungsreich und immer erhellend illustriert.

3. Authentizität

Schultz von Thun hat für jedes dieser Bücher zehn und mehr Lebens- und Forschungsjahre investiert. Sie sind gereift und auch das macht er transparent, wenn er an verschiedenen Stellen vor allem des zweiten und des dritten Bandes von den Umwegen und Irrtümern erzählt, die ihm und seinen Mitstreitern unterlaufen sind.

4. Progression

Die drei Bände spielen bestens zusammen. Im letzten Band ist das Wissen aus dem ersten noch immer anwend- und einbringbar. Es ist ein kohärentes System geworden. Kein wunder indessen, dass der letzte, der abschliessende Band der dichteste, wichtigste, bedeutsamste u nd hilfreichste geworden ist. Wer in Eile ist und selektieren muss, der lese diesen Band.

5. Diskurssituation

Die relationale Psychologie plädiert und argumentiert völlig richtig, aber keine der Berühmtheiten aus dieser Ecke gibt uns Instrumente an die Hand, wie diese Balance, die Spannungen und Machtumkehrungen, der Anerkennung aller als Subjekte angestrebt werden kann.

Da hinein ist Schultz von Thun gestossen: Er liefert und die Instrumente, um das humanistische Ideal anzustreben, Step-by-Step. Von Thun ist enorm konkret und realitätsgebunden und nie um Beispiele und erhellende Berichte verlegen, weil er schon lange in der Beratung tätig war, aber auch professorale Forschung betrieben hat, aus der z. B. Erfahrungsberichte stammen.

Schultz selbst bezieht sich indessen nie explitzit auf die relationale Psychologie.

6. Thematische Abgrenzung

Schulz von Thun weist gewissermassen gegen unten, in die Psychologie eines Individuums dort eine Grenze, wo eine gewisse Verallgmeinerung nicht mehr möglich ist und im Urteil von Schultz von Thun eine psychologische Einzeltherapie greifen müsste. Gegen oben indessen, ins Allgemeine, in's Politische und Philosophische kennt der Autor keine Grenze. Das ist eine weitere Fazette, die diese Bücher ausserordentlich interessant machen

II. Der erste Band

Der Übertitel ist bei allen drei Bänden gleich: Miteinander Reden 1-3. Sie unterscheiden sich äusserlich also durch die Untertitel. Der erste Band heisst dort: Allgememeine Psychologie der Kommunikation.
Weil Schultz von Thunns vierseitige Nachrichtenstruktur so enorm populär geworden ist, muss dazu nichts gesagt werden.

Auch in diesem Band ist eine Progression sichtbar, denn der Appell wird als vierte Seite zuletzt beschrieben. Im Appell liegt ein grosses Potential, aber von Thun weist darauf hin, dass offene Apelle zwar äusserst heilsam sein können, aber eingeübt werden müssen, weil sie kaum jemand einfach übt und beherrscht. Erinnert sei auch an die Metakommunikation, die manchen Austausch tatsächlich auf eine neue und erhellende Ebende hieven kann.

Allein schon das Wissen um die Vierseitigkeit macht den Leser hellhörig. Die Empfängerseite ist ebenso gefordert, und sei es nur, um aus einem einseitigen Hören herauszukommen: Die Welt der Kommunikation und damit die ganze Welt wird reicher und bunter, aber es spielt auch in Beziehungen hinein und kann diesen helfen. Darum geht es letztlich Schultz von Thun immer.

In einem gewissen Sinne gehört er zu den Weltverbesserern, nur bietet er verwendbares Wissen mit einem idealen Ziel: Alle Beziehungen, privat und öffentlich, beim Staat und in den Unternehmen können menschenfreundlicher und erfolgreicher zugleich gestaltet werden.


Verbessert die Welt! (5 von 5 Punkten) schreibt J.W.
Das Buch hat mir an einigen Stellen wirklich die Augen geöffnet! Es hat mir Ansätze gegeben, meinen eigenen Umgang mit anderen und mir selbst(!) zu verbessern und mein Leben dadurch ein bisschen erleichtert. Erst habe ich es nur für die Uni gelesen, aber dann habe ich immer öfter Situationen wiedererkannt, die ich selbst oft erlebe. Ich hatte beim Lesen ständig Aha-Erlebnisse! In einigen Fällen dachte ich: "Oh, oh, so bin ich ja selbst!", aber das Buch ist weit davon entfernt, Vorwürfe zu machen! Ich konnte die dort angebotenen Verbesserungsvorschläge gut annehmen.

Das Buch ist sehr lebhaft geschrieben und auch für Laien einfach zu Lesen. Der Autor verzichtet bewusst auf (unnötiges!) Fachgerede und versucht mit vielen Beispielen und ausführlichen Erklärungen, Kommunikation und ihre Tücken und Ansatzpunkte für jeden verständlich darzustellen.

Ich bin der Meinung, dass jeder (insb. jeder, der im pädagogisch-psychologischen Bereich tätig ist) dieses Buch gelesen haben sollte, weil es wirklich wertvolle Erkenntnisse für den Leser bereithält!

Sehr gut. Bitte kaufen ;-) (5 von 5 Punkten) schreibt d. aus Bochum
Der Titel "Miteinander reden" ist genauso simpel und eingängig wie der ganze Rest des Buches. Das erwähne ich gleich eingangs, weil es ja bekanntermaßen bei Sachbüchern leider nicht der Regel entspricht. Der Großteil von uns spricht täglich, wahrscheinlich stundenlang, aber reden wir auch wirklich miteinander? Läuft es nicht recht häufig aneinander vorbei? Friedemann Schulz von Thun nimmt unsere Kommunikation hier auseinander und erklärt uns anschaulich, wie Kommunikation entsteht, was die Gefahren sind und was man besser machen kann.
Im ersten Teil spricht er die Grundlagen an. Er teilt eine Nachricht in vier grundlegende Teile und erklärt diese erstmal nur grob. Diese Teile sind: Der Sachinhalt (die rein informative Ebene), die Selbstoffenbarung (was gebe ich, der Sender, von mir preis), die Beziehungsebene (was hält der Sender vom Empfänger bzw. wie beide zueinander stehen) und der Appell (wozu soll der Empfänger veranlasst werden). Nun ist Kommunikation ja keine einseitige Angelegenheit, also muss man sich auch damit beschäftigen, wie die Botschaft vom Empfänger aufgenommen wird. Genau hier entsteht dann bereits das erste Problem. Zum Beispiel gibt der Sender eine rein sachliche Nachricht an den Empfänger, dieser hört aber nur auf der Beziehungsebene hin. Schon hat man ein Missverständnis. Auch darauf, also auf Feedback und Interaktion geht Schulz von Thun ein. Abgeschlossen wird Teil A dann mit der "Metakommunnikation", der Kommunikation über die Kommunikation.
Teil B befasst sich dann intensiver mit den einzelnen Teilen. Was ist Selbstoffenbarungsangst, Selbstdarstellung und Selbstverleugnung?. Wie kann ich lernen authentisch zu sein? Sehr interessant die Erklärungen zur Sachseite der Nachricht, in denen auf Sachlichkeit erster und zweiter Ebene trennt und vor allem auf Verständlichkeit eingeht. Dabei schlägt er auch einen Bogen zu der Verbesserung der Verständlichkeit von Texten. Jeder, der viel Sachbücher liest, sei es an der Uni oder sonstwo, wird wissen wovon hier die Rede ist. Im darauffolgenden Teil über die Beziehungsseite einer Nachricht erfährt man dann, was es für Instrumente zur Erfassung des Beziehungsgeschehen gibt (Verhaltenskreuz, Transaktionale Analyse), wie das Bild, dass ich vom anderen habe überhaupt entsteht, was für Beziehungen es gibt, wie wichtig das Selbstkonzept ist und wie man Beziehungsstörungen vermeidet. Im IV. Kapitel von Teil B richtet sich der Fokus dann letztendlich auf die Appellseite. Wie kommt es zur Erfolglosigkeit mancher Appelle und was sind verdeckte, paradoxe und offene Appelle. Unterstrichen wird im gesamten Buch nochmals alles durch zahlreiche Abbildungen, Grafiken, Zeichnungen und einige Übungen am Ende von diversen Kapiteln.
Ein tolles Buch, das nicht nur in die Hände von Psychologen oder anderer psychosozialer Berufsgruppen gehört. Man kann wirklich nach der Lektüre von "Miteinander reden 1" an sich arbeiten. Man kann darauf achten, was man wie sagt und was der andere vielleicht tatsächlich gemeint hat, also auf welcher Ebene er gesprochen hat, und wie er wiederrum das Gesagte evtl. verstanden hat, anstatt eventuell sofort zu streiten. Natürlich kann man es nicht benutzen wie die Gebrauchsanleitung einer Waschmaschine, einmal durchlesen und alles läuft bzw. man ist ein neuer Mensch, aber man kann damit längerfristig Veränderungen hervorrufen, dessen bin ich mir sicher. Ich habe es gerne gelesen und auch einiges daraus mitgenommen. Möchte man diesem Buch etwas Negatives anhaften, dann allerhöchstens, dass die eine oder andere Abbildung überflüssig ist. Ich meine, "idiotensicher" und einfach ist immer gut, aber teilweise wird es zuviel des Guten. Man muss nicht unbedingt um die Beziehungseben zu erklären ein Männchen mit einem großen "Beziehungsohr" zeigen, dann eins mit einem andersfarbigen "Appellohr" usw. Ansonsten bin aber sehr gespannt auf Band 2 und 3.


Kurzrezension: klarer Klassiker (4 von 5 Punkten) schreibt S.Z. aus Köln, Europa
Vier bis fünf Sterne für ein Buch, das gut zu lesen ist und als Grundlage für viel Erkenntnis und Selbstarbeit dienen kann.

Ich bin gerade dabei, Band 1 und 2 jemandem auszuleihen. Wo sonst findet man sonst allgemein verständlich einen Kommunikationsansatz, der in vielen Fällen hilfreich sein kann, der Paradoxa wie verkorkste Kommunikation einmal aufzeigt und Lösungen gleich mit? Und das auch noch locker genug geschrieben, um auch Nicht-Psycho's unterstützen zu können?

Dieses Buch kann für die Informationsvermittlung durchaus mit Kommunikationsseminaren mithalten. Ob es seit 1981 tatsächlich keine neuen Erkenntnisse gegeben hat, die eine richtige Neuauflage rechtfertigen würden, vermag ich doch nicht so ganz glauben.

Psychologisches für Fachleute und Laien (5 von 5 Punkten) schreibt L.H. aus Krefeld
Habe, wie sicher sehr viele Leute, diverse Probleme(chen) mit KollegInnen am Arbeitsplatz. Bin durch die Empfehlung meiner Liebsten, einer Dipl.Päd., zu Friedemann Schulz von Thun "Miteinander reden II", "Miteinander reden III" gekommen. Musste dann unbedingt noch Band I haben. Sehr schön zu lesen. Man findet sich und seine Leute immer wieder wieder. Man hat nach der Lektüre immer noch Probleme, mal als Leidender und gar nicht so selten auch als Verursacher. Allerdings inzwischen mit einem leichten Durchblick, zumindest mit einer soliden Orientierungspalette. Das hilft schon mal und hebt, vorerst, die eigene Stimmung. Mit der praktischen Anwendung des neuerworbenen psychologischen Wissens sollte man sich, das rät F. Schulz von Thun, Zeit lassen um dann irgendwann ganz bedächtig vorzugehen. Hat man die drei Bände gelesen/genossen, weiß man auch, warum.

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