Die Vermessung der Welt

Von Daniel Kehlmann

Buch, Taschenbuch, 304 Seiten, 16. Auflage
Erschienen: 29. Februar 2008
Sprache: Deutsch
Herausgeber: rororo
Verkaufsrang: 380 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783499241000
ISBN-10: 3499241005
ASIN: 3499241005 (Amazon-Bestellnummer)
Preis: € 9,95 (Versandkostenfrei, Lieferbedingungen s.u.)
Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Die Vermessung der Welt
Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher.

Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen.

Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman -- und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. --Christian Stahl

In seinem fünften und bisher besten Roman widmet sich der junge Daniel Kehlmann gleich zwei großen Geistern der an deutschen Genies reichen Epoche des 19. Jahrhunderts. Abwechselnd lässt er Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt die Welt erforschen und vermessen, am Ende begegnen sich die beiden, inzwischen alt und berühmt geworden, in Berlin. So leicht, geistreich und zugleich witzig ist schon lange nicht mehr über deutsche Dichter und Denker erzählt worden, über die allzumenschliche Lächerlichkeit auch im Genial-Erhabenen. Ob das alles wirklich so war, fragt der glückliche Leser nicht, auch wenn die leicht karikaturhaften Züge nicht zu leugnen sind. Etwa wenn Humboldt mit seinem Begleiter Bonpland von Paris nach Madrid reitet, um dort am Hof um die Erlaubnis für seine erste Südamerikaexpedition anzusuchen, sie aber einfach nicht vorankommen, weil Humboldt nicht aufhören kann, nebenbei zu messen und zu forschen: "Ein Hügel, von dem man nicht wisse, wie hoch er sei, beleidige die Vernunft, mache ihn unruhig. Ohne stetig die eigene Position zu bestimmen, könne ein Mensch sich nicht fortbewegen. Ein Rätsel, wie klein auch immer, lasse man nicht am Wegesrand."

Gäbe es einen Preis der prägnantesten Hörbuchstimmen, hätte Ulrich Matthes sicher gute Chancen. Es genügen wenige Worte, um ihn zweifelsfrei zu erkennen. Unverkennbarkeit einerseits, grandioser Schauspieler andererseits, wie Matthes in zahlreichen Stücken, Filmen und Hörbüchern bewiesen hat. Auch aus dem Kehlmann-Roman macht er ein akustisches Ereignis und vermag die Wirkung dieses glänzenden Stücks Literatur noch strahlender zu machen. Dringend zu empfehlen!

Spieldauer: ca. 345 Minuten, 5 CDs, Hörbuchfassung des Autors

--Christian Stahl

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 387 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Mathematik vs. Naturwissenschaften (5 von 5 Punkten) schreibt S.B.
Hmmm, irgendwie scheine ich ein anderes Buch gelesen zu haben - und das hat mir _wirklich_ gut gefallen. Meiner unbedeutenden Meinung nach gehts bei der Vermessung um zwei Dinge: Die schöpferische Vermessung der Welt (also nicht der Erde, sondern allem, was sein könnte) in der Mathematik, und der beschreibend-analytischen Vermessung der wirklich existierenden Welt in den Naturwissenschaften. Nebenbei darum, wie sich Genies mit den Niederungen des Lebens herumschlagen müssen. Alles wahnsinnig witzig beschrieben, ich habe viel gelacht. Ich fand es ein durch und durch gelungenes Buch, ich hatte eigentlich nichts erwartet, aber im Nachhinein nichts auszusetzen. Es gibt sicher noch 10 weitere Ebenen, eigentlich wollte ich nur meine +5 Punkte geben - lest das Buch und macht euch selbst ein Bild, es ist einen Versuch wert!

Eines der seltenen Bücher, die ich zweimal gelesen habe... (5 von 5 Punkten) schreibt B.M. aus München
... und nachdem ich es vorige Woche getan hatte, war ich neuerdings gleich begeistert wie beim ersten Mal.
Geschichte auf höchst amüsante Art dargeboten, und dazu einen Spannungsbogen, der einen nicht mehr loslässt.
Zu Recht ein Riesenbestseller, schade nur, dass es Literatur dieser Qualität so selten gibt!

Hervorragendes Buch (5 von 5 Punkten) schreibt J.
Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" ist ein hervorragendes, leichtfüßiges und vor allen Dingen unterhaltsames Werk, das sich (sehr) frei an den Leben von Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß orientiert.

Wer sich also über Details aufregt, die nicht den wahren Biographien der beiden Wissenschaftler entsprechen, der sollte von diesem Buch Abstand nehmen und zu wissenschaftlichen Werken greifen.

Wem der Sinn nach guter und intelligenter Unterhaltung steht, der kann hier unbesorgt zugreifen.

Am Humor Kehlmanns gefällt mir besonders, dass er den Leser nicht "mit der Nase auf einen Witz stößt", sondern oft Humoriges nur ganz zart andeutet.

Insgesamt ein tolles Buch, dass zu den unterhaltsamsten Werken zählt, die ich in letzter Zeit gelesen habe.



Irgendwo zwischen Fiktion und Wirklichkeit (3 von 5 Punkten) schreibt M.B. aus Bremerhaven
Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß gehören außer Frage zu den brilliantesten Wissenschaftler, die je gelebt haben. Wer abseits ihrer Forschungsarbeiten, die Personen als Mensch näher kennenlernen möchte, kann mehrere Wege einschlagen. Eine Möglichkeit stellt die von Daniel Kehlmann gewählte Form des Romans dar, in der Fiktion und Tatsachen miteinander verwoben werden. Der Leser muss die gewählte Form schon mögen bzw. sich hierauf einlassen, um das Buch in Gänze genießen zu können. Bei mir gelang das nur eingeschränkt. Positiv fand ich jedoch die vielen kleinen Hinweise über die Entdeckung neuer Ideen, die zwar nicht immer im Roman erklärt werden, die aber als Ausgangspunkt für eigene Recherchen anregen können.

Das Buch als "Ein großes Buch, ein genialer Streich" (Frankfurter Rundschau) zu bezeichnen, halte ich persönlich als für überzogen. "Die Vermessung der Welt" ist ein Werk, welches duraus gelesen werden kann, um sich ein paar anregende Stunden zu gönnen - mehr aber auch nicht.

Illusion von Helden (4 von 5 Punkten) schreibt G.H.
Wenn ich mir die Bewertungen einiger ansehe muss ich sagen, dass Kehlmanns Werk hier sehr unfair abgetan wird.

Kehlmann schafft bewusst durch den Erzähler, die indirekte Rede und die nüchterne, zuweilen langwielig anmutende Art des Schreibens Distanz zu den beiden Protagonisten. Es war eben im Sinnen des Autors die großen Genies weltfremd und auch schnöde darzustellen um so den Blick nicht auf den Verstand sondern die soziale Kompetenz der Figuren zu werfen.
Mich persönlich hat der Schreibstil überzeugt aber ich bin auch nicht lesefaul und versuche mich auf Bücher einzulassen, was man bei diesem Werk durchaus tun sollte. Anfangs ist die indirekte Rede und der oberflächliche Erzählstil etwas ungewohnt aber er reizt sehr zum weiter lesen.

Gerade durch die neutrale, nüchterne und vor allem nicht emphatische Sprache entsteht eine gewisse Komik, die sich durch das gesamte Werk zieht. Gauß und Humboldt in ihren Reaktionen auf die Welt, die so mit ihrer eigenen kollidiert, haben mir des öfteren ein Lachen entlockt :)

Dieses Buch ist nicht ohne Grund Abitur-relevant im Mecklenburg Vorpommern. Herausfordernd, ja. Ungewöhnlich, auch. Aber auf jedenfall Lesenswert :)

Gruß

 Weitere Lesermeinungen

Kategorien, in denen dieser Artikel enthalten ist:
 Belletristik   Gegenwartsliteratur  
 Buch  



Alle Bestellungen werden über Amazon abgewickelt. Amazon ist der größte Online-Buchhändler und liefert sehr zuverlässig und sicher.Bücher versandkostenfrei nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz, alle anderen Artikel ab 20 € Bestellwert. Ausführliche Lieferbedingungen  hier. Nach Deutschland und Österreich ist auch Lieferung gegen Rechnung möglich. Dadurch entfällt die Angabe der Bankdaten. Bedingungen  hier.

Buch, Hörbücher
Belletristik, Unterhaltung

Romane und Erzählungen

Anthologien
Autoren, A-Z
Länder, A-Z
Kontinente
Regionen
Städte
Klassiker
Klassiker des 20. Jahrhunderts
Zeitgenössische Literatur
Junge Literatur (deutschspr.)
Unterhaltungsliteratur
Historische Romane
Liebesromane
Frauen
Nach Epochen
Nach Themen