Das KZ-Bordell: Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Von Robert Sommer

Buch, Gebundene Ausgabe, 445 Seiten, 22010. Auflage
Erschienen: 22. Juli 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Schöningh
Verkaufsrang: 26622 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783506765246
ISBN-10: 3506765248
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Das KZ-Bordell: Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern
Dies ist die erste Gesamtdarstellung eines Themas, das bislang weitgehend im Verborgenen geblieben ist: die Zwangsprostitution im Lagersystem der SS. Die Forschung hat das wie mit einem Tabu belegte Thema der sexuellen Gewalt im KZ bis heute meist ausgeklammert. Robert Sommer hat für seine Arbeit in allen relevanten Archiven recherchiert, er hat sogar Interviews mit Überlebenden führen können. Sein grundlegendes Buch zeichnet das Bild einer bisher unbekannten Realität des Schreckens. Auf Befehl Himmlers wurden ab 1942 in den größten Konzentrationslagern, u. a. in Dachau und Auschwitz, in Mauthausen und Buchenwald, in Mittelbau- Dora und Sachsenhausen, Bordelle für Häftlinge eingerichtet. Der Bordellbesuch war als Anreiz zur Steigerung der Arbeitsleistung der in das System der Kriegswirtschaft eingebetteten Arbeitssklaven in den Lagern gedacht. Die »Prämie« blieb allerdings ausschließlich »arischen« Häftlingen vorbehalten. Für die Bordelle rekrutierte die SS weibliche Häftlinge aus Ravensbrück und Auschwitz-Birkenau, meist mit falschen Versprechungen oder unter Zwang. Die umfassende Darstellung beschreibt detailliert die Gründe für die Einrichtung der Lagerbordelle, ihre Funktion im System der Konzentrationslager, die Organisation des Bordellbetriebs, die Reaktionen der Häftlingsgesellschaft auf die »Sonderbauten« – so die offizielle Bezeichnung der Bordelle -, die Lebensbedingungen und die Überlebensstrategien der Frauen, die Motive der Bordellbesucher sowie den Ablauf ihrer Besuche. Darüber hinaus stellt der Autor die Lagerbordelle in den Kontext der Erscheinungsformen und der Bedeutung von Sexualität im KZ.

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 5.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 2 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Bordelle bei den Nazis (5 von 5 Punkten) schreibt R.D. aus Lörrach
Dieses Buch ist sehr interessant, von dieser Sache hatte man nie was erfahren, über die KZ-Bordelle im Dritten Reich bei den Nazis. Dieses Buch läßt soich gut lesen und ist es sehr informativ.

eindrucksvolles Standardwerk (5 von 5 Punkten) schreibt s. aus Berlin
Dieses Buch ist nichts weniger als ein Standardwerk. Die Geschichte der KZ-Bordelle wird komplett nachgezeichnet. Auf über 250 Seiten steht alles geschrieben, was heute zu dem Thema bekannt ist, großteils vom Autor selbst in den vergangenen Jahren erst zutage gefördert. Das Werk bezieht den Stand der Forschung seit Beginn der 90er Jahre ein, und geht von der Stellung der Prostitution in der NS-Zeit, über die Lagerbordelle im NS-System allgemein, bis hin zu den Lagerbordellen im Einzelnen, denen je ein Kapitel gewidmet ist. Die Erfahrungswelt der zwangsprostituierten Frauen wird dem Leser ebenso nahegebracht wie die der "Freier" oder der anderen Häftlinge. Über 150 Seiten Anhang (davon 100 Seiten Anmerkungen). Der Autor hat Dutzende Archive in ganz Europa besucht und dort Quellen ausgewertet, und fast ebensoviele Interviews mit Zeitzeugen geführt, darunter ehemalige Zwangsprostituierte und Bordellbesucher.

Besondere Vorkenntnisse zu den düsteren Jahren des "Dritten Reiches" muss man als Leser gar nicht mal mitbringen - die Geschichte der KZ-Bordelle wird eingebettet in die größeren Zusammenhänge. Zwar könnte dies als halber Minuspunkt durchgehen, da einige Rekurse auf die allgemeinere NS-Historie den geschichtlich halbwegs Bewanderten redundant erscheinen müssen. Das Werk gewinnt daran aber gerade seine Form, und will, wie die Einführung erläutert, unter anderem auch genau das erreichen - zeigen, wie die NS-Lagerbordelle mit der Prostitutionspolitik zusammenhängen, und diese mit der nationalsozialistischen Zivil- und Kriegsgesellschaft.

Da in dieser Unternehmung die Details und die aus Primärquellen stammenden Beweise nicht nur nicht zu kurz kommen, sondern akribisch zusammengetragen überhaupt das Fundament bilden, verortet sich "Das KZ-Bordell" jenseits aller flachen Nacherzählungen auf einem höheren Niveau: jahrelange wissenschaftliche Forschungsarbeit konzentriert in einem Werk.

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