Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden

Von Michael Jürgs

Buch, Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Erschienen: 17. Juli 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: C. Bertelsmann Verlag
Verkaufsrang: 32117 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783570100097
ISBN-10: 357010009X
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Seichtgebiete: Warum wir hemmungslos verblöden
Man kann ja nicht behaupten, dass man nicht vorgewarnt gewesen wäre. Bereits im allerersten Absatz seines im Klappentext treffend als "Pamphlet" charakterisierten Werkes kündigt der Autor Michael Jürgs ein Buch an, "in dem es um Blöde und Blödmacher" geht. Im Fadenkreuz einmal mehr ? nicht erst seit Marcel Reich-Ranickis vom Zaun gebrochenem Eklat ? das Fernsehen als "klassische Bedürfnisanstalt der Nation" im Allgemeinen und das Privatfernsehen als Sittenverderber im Besonderen. Weil auch das Recht auf Dummheit zu den unveräußerlichen Menschenrechten zähle, so Jürgs, sei im Kampf zur Befreiung der Blöden von den Blödmachern eine Strategie aus List, Tücke, Witz und Fantasie notwendig, anstatt sich resigniert in die letzten Refugien der Kultur zurückzuziehen (der sich der Autor selbst offenbar gerne zugehörig fühlt).
Doch abgesehen vom holzschnittartigen Inhalt seiner Polemik lassen darob allein schon die Wortwahl und Verbalinjurien zweifeln, derer sich Jürgs bei seiner Suada bedient. Als vorgeschobene Entschuldigung, einmal so richtig kräftig vom Leder ziehen zu können ? oder, um im Jargon zu bleiben: die Sau raus zu lassen ? mutet die scheinheilige Ankündigung an, sich mangels intellektueller Verständigkeit auf das Niveau der Gegenseite herab begeben zu müssen: "Das schaffen nur die Besten unter den Klugen. Jede Art von Ekel muss zuvor abtrainiert werden, man braucht einen langen Atem, und die Guerilleros müssen lernen, ihre Intelligenz zu verbergen, dass ihnen niemand von den Blöden auf die Schliche kommt."
Bei aller Ehrenhaftigkeit des Anliegens entbehrt es nicht einer gewissen Dreistigkeit, dass sich hier ausgerechnet einer zum Chefankläger aufschwingt, der sein Handwerk im Boulevardjournalismus gelernt hat, ehe er als Chefredakteur der (zugegebenermaßen bisweilen politisierenden) Po- und Busen-Illustrierten Stern oder beim Sprachrohr der bundesdeutschen Spaßgesellschaft, Tempo, Karriere gemacht hat, die mit Fug und Recht als Vorreiter der kulturellen Verseichtung bezeichnet werden können. Doch damit nicht genug ist Jürgs Buch bei einem Verlag erschienen, dessen gleichnamige Konzernmutter durch Beteiligung an RTL von Anfang an bei dem hier viel gescholtenen Privatfernsehen dabei gewesen ist. Die Übernahme der RTL Group an der Seite von Leo Kirch erfolgte übrigens just, als mit "Big Brother" im TV die letzten Schamgrenzen fielen und das Leben zur Peepshow vor der Kamera verkam. ? Arnold Abstreiter

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 2.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 54 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
vermeidbar(e Verblödung) (1 von 5 Punkten) schreibt H.N. aus East Anglia
Den einen Stern gibt es für das gewählte Thema. Die Sprachwahl ist eine komplette Demütigung des Lesers. Vielleicht findet sich ein Autor der das Thema nochmals mit mehr Würde für den Leser aufnimmt. Nach 20 Seiten habe ich dieses Buch zugeklappt und in die Altpapiertonne geworfen, wo es hingehört.
NICHT EMPFEHLENDWERT.


Überwiegend blöd ! (2 von 5 Punkten) schreibt L.
Michael Jürgs hat lange Fernsehen geschaut und dann ein Buch darüber geschrieben.

Die Blöden will er erreichen und bekehren zu hoher Kultur, aber die lesen eh kaum Bücher wie dieses.
Das auf 250 Seiten ausgewalzte, wütende Palaver richtet sich in erster Linie an Leute die denken wie Jürgs.

Irgendwas Neues?

Fehlanzeige.
Entzaubern will er Bohlen, Barth und Co wie im Märchen Des Kaisers neue Kleider!

Schafft er das?
Schafft er nicht!

Er geht den O.g. auf den Leim weil er wütend ist: Auf Bohlen und Konsorten zu schimpfen ist Kritik von Vorvorgestern die verpufft, weil das Kontroverse zum Image gehört und Teil der Vermarktungsstrategie, also erwünscht, ist.

Das tägliche Magazin Kulturzeit auf 3Sat sei, laut Jürgs, gelebte Kultur weil man die dort dargebotenen Tipps am Wochenende umsetzen könne.

Frage: Wer, an den unteren Rändern der Einkommensskala, dem sog. Prekariat, kann sein Geld jedes Wochenende für Theater, Kino und Oper ausgeben, wenn das Geld eben zum Leben reicht?

Hier werden gesellschaftliche Realitäten ausgeblendet.

Leserfreundlich ist das Buch nicht. Der ein oder andere interessante Gedanke wird durch ständige Wiederholungen und den aufdringlich verschraubten Satzbau überdröhnt.

100 Seiten hätten gereicht für die wenigen interessanten Ansätze.

Wenn man etwas entzaubern will, dann muss man verstehen wie dieses Etwas produziert wird.
Jürgs bleibt nur an der Oberfläche.

Verdammt blöd.



Kulturrevolution für die Rettung der Blöden (2 von 5 Punkten) schreibt M.
Michael Jürgs redet vorgeblich Klartext in seinem neuen Buch. Er rechnet schonungslos mit der Verblödungsmaschinerie Fernsehen ab. Dabei ist der Autor in seiner Wortwahl weder zurückhaltend noch ausgeprägt differenzierend. Man könnte sein Buch als von Wortwitz und -akrobatik getragene, deklamierende Brandrede interpretieren. Oder als Ansammlung arroganter, aggressiver, polemischer, abschätziger "Klugscheißerei".

Wie Alexander Kissler in 'Dummgeglotzt' sieht Jürgs das Fernsehen als großen Blödmacher. Er will aber die Blöden vor und hinter dem Bildschirm angreifen, um Veränderungen zu bewirken. Doch welche Veränderungen sind angepeilt? Jürgs fragt sich früh in seinem Buch "Ist es am Ende vielleicht sogar eine selbstgefällige Anmaßung, sich in intellektueller Arroganz zum Richter über den Geschmack anderer zu erheben, sie aufgrund ihrer schlichten Bedürfnisse verächtlich zu machen?" Aber auf den folgenden 200 Seiten macht er nichts anderes, als über die Blöden und die Blödmacher herzuziehen. Worin unterscheidet er sich also von denen, die er angreift?

Der Buchtitel ist wahrscheinlich völlig unbeabsichtigt ein Variation des von ihm abgewerteten Buches von Charlotte Roche. Mario Barth, Dieter Bohlen, Heidi Klum sind für Jürgs (wie für so viele andere) die Prototypen der Seichtigkeit. Ist das eine neue, hilfreiche Erkenntnis? Jürgs will die Blöden an "den Haken nehmen und in Kulturbahnhöfe ziehen." Er will die große Kulturrevolution anzetteln. Doch was ist Kultur? Jürgs definiert Kultur als "Niveau, Anspruch, Diskursfähigkeit". Und wahrscheinlich sieht er sich selbst als denjenigen, der genau diesem Anspruch genügt.

Doch er betreibt keine Analyse "warum wir hemmungslos verblöden", sondern bleibt in der Beschreibung, wie wir angeblich durch das Fernsehen verblöden, hängen. Die Frage, welche Bedeutung für unsere und welche Interessen an unserer Verblödung Politik, Wirtschaft und Gesellschaft allgemein haben, bleibt ungestellt und unbeantwortet. Welche Moral soll in unserer Werte-Gemeinschaft gelten?

Die omnipräsente Bildungsmisere wird kurz und plakativ angerissen. Dagegen werden auch die Mechanismen des Fernsehens nicht durchleuchtet. Welchen Sinn macht die Quotenjagd? Wer oder was hindert uns daran, gute Sendungen zu schauen? Darüber erfahren wir nichts in diesem Buch.

Ein kurzer Ausflug in die Welt der Bücher bringt uns die Erkenntnis: "Neu dagegen ist, dass Druckwerke von Sprachlosen beispielsweise auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden, als handle es sich dabei tatsächlich um Bücher, nicht nur um von ausgebufften Marketingstrategen kühl platzierte Produkte für den Massenmarkt." Sprachlos ist Jürgs nicht, aber "auch er [verbreitet] wieder auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten seinen Duft". Sonst nichts.

furchtbar (1 von 5 Punkten) schreibt K. aus Köln
ich habe mich durch dieses buch gequält und kann nur sagen/schreiben: furchtbar!
m.e. ist der autor auf einen fahrenden zug gesprungen, um auch bei diesem thema noch sein "eigenes scherflein ins trockene" zu bringen. aber was kann man von einem selbsternannten medienkritiker erwarten, der selbst redakteur von "stern" oder "tempo" war und sich nun durch trivia, wie eine biographie über romy schneider, hervortut? genau: nichts!
der inhalt ist eine platte aneinanderreihung von tv-formaten, dazu gefühltes halbwissen... vollkommen uninteressant für jeden, der selbst denken kann. zudem: jedes jahrhundert/jahrzehnt hat seine eigene unterhaltungskultur. bestes beispiel ist - der heute zurecht geachtete - shakespear, der für "das einfache volk" schrieb, also massenunterhaltung schuf!
sei's drum: nicht lesenswert!

Seicht und überflüssig (1 von 5 Punkten) schreibt S. aus Erlangen
250 Seiten Seicht-Schreiberei. Nichts neues. Eine Herausforderung an das Durchhaltevermögen, obwohl es sich nicht lohnt, das Buch bis zum Ende zu lesen. Ich habe mich durchgekämpft, obwohl das Lesen mit jeder Seite langweiliger wurde, da immer wieder dieselben Argumentationsketten in unterschiedlich blöden Beschreibungen wiederkehren. Hat man die ersten 50 Seiten gelesen, braucht man keine einzelne Seite mehr, da nichts Neues bis Seite 251 auftaucht.
Keine Diskussion über Hintergründe. Keine Erklärungsansätze. Reine Polemik über die vielen "Blöden" in Deutschland, die vom Fernsehen gezüchtet wurden. Den Hinweis im Buch, dass es Menschen gibt (Bohlen, Politiker etc.) die Bücher schreiben, die die Welt nicht braucht, hätte der Autor ernst nehmen und sofort mit dem Schreiben aufhören sollen.
Seicht und überflüssig. Schade um die Zeit, die es gekostet hat, diese Buch zu lesen. Alles was man in dieser Zeit häte machen können, wäre besser gewesen, als dieses Buch zu lesen.
Negativsterne wären angesagt.

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