Kritik der reinen Toleranz

Von Henryk M. Broder

Buch, Gebundene Ausgabe, 224 Seiten, 3. Auflage
Erschienen: 10. August 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Pantheon Verlag
Verkaufsrang: 419 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783570550892
ISBN-10: 3570550893
ASIN: 3570550893 (Amazon-Bestellnummer)
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Kritik der reinen Toleranz
Jetzt wird?s gefährlich. Wer nämlich eine andere Weltsicht hat oder andere Meinungen vertritt als Henryk M. Broder oder, schlimmer noch, Seine Majestät höchstselbst zu kritisieren wagt, läuft leicht Gefahr, reflexhaft als Antisemit, Antiamerikaner, Unterdrücker, Diskriminierer, Schmarotzer, Homophobe, Sexist, Klassist, Rassist etc. gebrandmarkt zu werden. Doch trotz oder gerade wegen des Risikos einer Fatwa seitens dieses notorischen Wadenbeißers, der selbst ganz unverschämt Querulanz und Intoleranz zu Tugenden erhoben hat, ist Courage höchste Bürgerpflicht.
Bester Beleg ist das vorliegende Buch, das knapp ein Jahr nach Erscheinen nun als Paperback beim Pantheon Verlag neu aufgelegt wurde. Es zeigt in exemplarischer Weise die Strategie dieses Meisters der Rhetorik und Demagogie, der es sich zum Sport gemacht hat, Kontrahenten mit scharfer Zunge und spitzer Feder mindestens sprachlos aber lieber noch mundtot zu machen. Wie ein Berserker hebt der Mann, der sogar soweit ging, sich bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen als Zeichen seiner fundamentalen Opposition gegen einen angeblichen Zeitgeist falsch verstandener Toleranz demonstrativ mit George W. Bush zu solidarisieren, zum Rundumschlag gegen all jene innerhalb und außerhalb unserer Gesellschaft an, die im Grunde zivilisatorisch immer noch nicht auf der Höhe der Zeit sind.
Doch wenn schon nicht Broder, so hätte doch wenigstens der bewunderte unbeugsame wiedergeborene Christ wissen müssen, dass die Devise nicht mehr "Auge um Auge, Zahn um Zahn" lautet, sondern "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!". Eine Formel übrigens, die dem Aufklärer Immanuel Kant, auf dessen Kritik der reinen Vernunft Broder im Buchtitel Bezug nimmt, als Vorlage für seinen kategorischen Imperativ diente. ? Arnold Abstreiter

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 33 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
Gute Darstellung und Kommentar. Analyse und deren Diskussion (explizit) leider nicht vorhanden. (4 von 5 Punkten) schreibt h.
Zunächst muss gesagt sein: Bereits im Klappentext und auch in der Produktbeschreibung wird darauf hingewiesen, dass Herr Broder Polemik betreibt. Das ist nichts, man ist das von ihm gewohnt. Aussagen derer, die sich nun über seine (überzogene?) Polemik beschweren, sind daher für mich nicht so ganz nachvollziehbar.
Lange habe ich überlegt, ob ich dem Buch 3 oder 4 Sterne gebe. 5 Sterne schieden bereits nach der halben Lektüre aus.
Warum? Jedes Kapitel des Buches beginnt nach einigen einleitenden Sätzen mit einer kurzen chronologischen Skizze eines Ereignisses der jüngeren Geschichte, dass hohe politische Wellen schlug. Dabei wird aufgezeigt, wie geradezu rückratlos sich zB UN oder EU verbiegen, um die "political correctness" zu wahren. Kurz: Dem Gegenüber bloß nicht auf den Schlips zu treten, auch wenn man Sanktionen fordert oder per Resolution durchsetzen will (zB im Atomstreit mit Iran). Im Anschluss werden diese Ereignisse gewohnt polemisch und überaus humorvoll kommentiert. Man wird als Leser oft mit dem Gedanken "Endlich sagt`s mal einer" ertappt. Die Polemik wirkt dabei im Übrigen nie überzogen, mag evtl einigen Feingeistern aber etwas zu harsch klingen. Ich persönlich konnte zumindest keinen Satz finden, den man als herabwürdigend oder verachtend bezeichnen könnte. Bis hier also durchaus 5-Sterne-würdig.
Selten allerdings werden Alternativen aufgezeigt, diskutiert oder zumindest angedeutet. Zwischen den Zeilen - und nach ein wenig eigener Denkarbeit - ist oft klar, wie eine Alternative aussehen könnte. Für eine volle 5-Sterne Bewertung hätte Herr Broder dies aber in aller Konsequenz selbst explizit durchführen müssen. So setzt er zwar Denkanstöße und Kommentare, die für viel Heiterkeit sorgen, aber wie schon in anderen Rezensionen geschrieben wurde: Zeitung lesen können die meisten Menschen selbst.
Was bleibt, ist ein Werk, dass zum Nachdenken anregt und sicher auch durch die ein oder andere Information Ereignisse in ein neues Licht rückt, das dann aber in letzter Instanz abfällt.
Zudem muss ich betonen, dass erstaunlich oft das Geschehen in der "muslimischen Welt" als Aufhänger herhalten muss. Sicher bieten sich diese Themen aktuell geradezu an, um über die Konsequenzen übertriebener Toleranz zu polemisieren ( ;) ), aber auch in der "westlichen Welt" ist die Themenauswahl groß genug, dass eine ausgewogenere Gestaltung möglich gewesen wäre.
Vielleicht habe ich aber auch mit diesen beiden letzten Sätzen gezeigt, dass ich das Buch und dessen Absichten selbst nicht hundertprozentig verstanden habe. Wer weiß...

Unterhaltsam und anregend (4 von 5 Punkten) schreibt p. aus Niederbayern
Herr Broder gibt mit seinem Buch reichlich Anlass zum Schmunzeln, ja zum Teil habe ich laut gelacht. Viele Passagen stimmen aber auch nachdenklich: es dreht sich um die Frage, wie viel wir als Volk zulassen an neuen Entwicklungen, Einflüssen von "außen", wo wir uns jedoch abgrenzen, unsere Identität wahren sollten - wenn wir sie denn kennen. Für uns Deutsche lässt sich die Frage nach unserer Identität sehr schwer beantworten, wenn wir nicht reflexartig auf unsere Dichter, Philosophen und die 12 Jahre Nazi-Diktatur zurückgreifen. Das Buch leistet hier einen Beitrag, auch wenn in einigen Bereichen mehr Fragen offen bleiben - die Suche nach den Antworten ist Aufgabe des kritischen Lesers.

Empfehlenswert (5 von 5 Punkten) schreibt J.G.
Ein absolut empfehlenswertes Buch. Was es so spannend und verblüffend macht, ist die entwaffenende Direktheit und Ehrlichkeit, mit der der Autor die Fakten darlegt - mit der richtigen Prise Sarkasmus und Ironie gewürzt. Wer immernoch Toleranz gegenüber einer Religion und Kulturen predigt, in der Frauen gesteinigt werden und "Andersgläubigen" die Kehle durchgeschnitten wird, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Es passt ins Bild der Zustände von Jugendlichen, die ältere Mitbrüger tottreten, ins Bild der überforderten und sich selbstzerstörenden multikulturellen, aber eben leider (oder zum Glück?) nicht "multizivilisierten" Gesellschaft, die vor lauter Toleranz das Leid Dritter negiert in dem die Täter zu "Opfern der Umstände" stilisiert werden. Eine verweichlichte, und bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Justiz deren Intension längst nicht mehr Gerechtigkeit ist, tragen ihr übriges zu den immer schlimmer werdenden Auswüchsen der Toleranz bei. Toleranz hat schon zuviele Opfer produziert. Es ist genug. Durchweg empfehlenswertes Buch!

Es schmerzt beim lesen (5 von 5 Punkten) schreibt M.W.
Denn mit jeder gelesen Seite wird jedem vor Augen geführt, wie sich die zivilisierte Welt an der Nase herum und schließlig ins Grab führen lässt.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der einmal eine intelligente Meinung abseits des Selbsthasses linker Eliten in Deutschland und Europas zu einem Thema lesen will, dass wahrscheinlich sehr viel größere Auswirkungen auf uns alle hat als irgendein Klimawandel, die Unterwanderung der freien Gesellschaften durch eine totalitäre Religion, die nur solange tolerant ist wie sie in der Minderheit ist.

Das Buch ist unterhaltsam und pointiert geschrieben, jede Pointe hinterlässt erst ein lachendes und ein weinendes, dann zwei weinende Augen, weil der Witz vergeht, die absurde Wirklichkeit jedoch bleibt.

Kompromisslose und gnadenlos gute Kritik (5 von 5 Punkten) schreibt S. aus Potsdam
"Kritik der reinen Toleranz" ist die neue Streitschrift des Spiegel-Autors Henryk M. Broder, der sich - wie schon so oft- auch diesmal nicht scheut, die seine kritische Meinung sehr offen auszusprechen.
Mit Hohn, Spott, Sarkasmus und einer großen Prise Ironie spart Broder dabei ebensowenig wie mit guten Beispielen, die seine Thesen belegen.
Das Werk lässt sich erstaunlich gut und schnell "weglesen", und obwohl es eine politische meinung überbringen will, ist es klar und deutlich geschrieben. Es ist nicht nötig, die Sätze ein zweites Mal zu lesen, um ihren Sinngehalt zu erfassen, und so eignet sich die neue Streitschrift auch für kurze Lese-Episoden wie Bahn- oder Tramfahrten zur Arbeit.
Besonders angenehm ist auch die kurze Kapiteleinteilung, so dass es einfach ist, nach einigen Seiten das Buch zuzuklappen und zu gegebener Zeit nahtlos anzuschließen.
Das neue Werk ist ebenso amüsant und energisch geschrieben wie die vorigen und eignet sich überaus gut als Geschenk für Freunde und andere "Gutmenschen", um die Augen zu öffnen oder die ohnehin gefasste Meinung zu bestärken.
Besonders gut eignet sich das Buch für Berliner, oder solche, die es werden wollen, weil immer wieder Berlin mit Politik und Lebensart in den Fokus der Kritik trifft...
Fazit: Das Werk ist hart, kompromisslos, trifft immer den Kern der Sache - und ist gnadenlos gut!

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