Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit

Von Michael Winterhoff

Buch, Gebundene Ausgabe, 191 Seiten, 21. Auflage
Erschienen: Januar 2008
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Gütersloher Verlagshaus
Verkaufsrang: 5571 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783579069807
ISBN-10: 3579069802
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Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit
Wie kommt es, dass Kinder auch der Nach-Achtundsechziger-Generation von Eltern auf der Nase herumtanzen? Dass bereits Vierjährige mit ihren Erziehern machen (und machen können), was sie wollen? Dass in unserer Gesellschaft die Respektlosigkeit der Jugend gegenüber dem Alter regiert und so viele Schulabgänger (deshalb?) nicht im Mindesten gerüstet sind fürs Leben? Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit aus der Feder des 50-jährigen Bonner Mediziners Michael Winterhoff legt den Finger nicht zuletzt an einer Stelle in die Wunde, die besonders schmerzt: Mitten ins Herz der liebenden Eltern, die doch nur eines wollen: von ihre Kindern geliebt zu werden. Und die doch genau deshalb das Gegenteil erreichen.

In neun Kapiteln beleuchtet Winterhoff mit medizinischer Analyse, aber auch mit journalistischem Geschick, welche Gründe dafür sprechen, dass Mütter aufhören sollten, zwischen Super-Nanny und Verzweiflung hoffnungslos hin- und herzupendeln. Er hinterfragt gängige Vorurteile unserer Pop-Kultur ("We don?t need no education"? -- "Kinder an die Macht"??), illustriert, warum die Psyche eine so große Rolle spielt, was Grundschulen und Kindergärten mit der Seele unserer Kinder anstellen, warum Eltern ihr Ich nicht mit dem des Nachwuchses verschmelzen sollten -- und wie es uns gelingen könnte, die "Beziehungsfähigkeit wieder herzustellen". Auf diese Weise entwirft Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit ein faszinierendes Panorama, das die privaten und sozialen Mängel unserer Erziehung ebenso aufzeigt wie mögliche Lösungswege.

Erziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Aber die meisten ergehen sich in endlos seitenschindenden Nacherzählungen von (zumeist erfundenen) Fallgeschichten, die mit dem eigenen Leben nichts gemein haben. Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit ist da auf angenehme Art und Weise anders. Und ist gerade deshalb eine willkommene Alternative zur Sensationsgier von Super-Nanny-Formaten -- eine Alternative zudem, die Hoffnung macht. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de

Das hört sich nicht gut an: Kinder tanzen ihren Eltern auf der Nase herum. Vierjährige machen mit ihren Erziehern, was sie wollen (und dürfen das auch). Und die respektlose Jugend ist nach dem Schulabschluss nicht im Mindesten gerüstet fürs Leben. Das Hörbuch Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit des 50-jährigen Bonner Mediziners Michael Winterhoff wagt diese Gesellschaftsanalyse. Und es legt den Finger nicht zuletzt an einer Stelle in die Wunde, die besonders schmerzt: Mitten ins Herz der liebenden Eltern, die doch nur eines wollen: von ihre Kindern geliebt zu werden. Und die doch genau deshalb das Gegenteil erreichen. Das hört sich, wie gesagt, nicht gut an. Und trotzdem ist es gut, davon zu hören.

In neun Kapiteln erörtert Winterhoffs Lesung, warum Mütter aufhören sollten, zwischen Super-Nanny und Verzweiflung hoffnungslos hin- und herzupendeln. Er hinterfragt gängige Vorurteile unserer nicht zuletzt auch akustischen Pop-Kultur ("We don?t need no education"? -- "Kinder an die Macht"??), illustriert, was Grundschulen und Kindergärten mit der Seele unserer Kinder anstellen, warum Eltern ihr Ich nicht mit dem des Nachwuchses verschmelzen sollten -- und wie es uns gelingen könnte, die "Beziehungsfähigkeit wieder herzustellen". Auf diese Weise entwirft Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit ein faszinierendes Panorama, das die privaten und sozialen Mängel unserer Erziehung ebenso aufzeigt wie mögliche Lösungswege. Das kann sich hören lassen.

Erziehungsratgeber gibt es wie Sand am Meer. Aber die meisten ergehen sich in endlos seitenschindenden Nacherzählungen von (zumeist erfundenen) Fallgeschichten, die mit dem eigenen Leben nichts gemein haben. Warum unsere Kinder Tyrannen werden oder: Die Abschaffung der Kindheit ist da auf angenehme Art und Weise anders. Und: Er ist auch noch kurzweilig gelesen. Alles in allem also: gut zu hören. -- Isa Gerck, Literaturanzeiger.de 4 CD, Laufzeit ca. 320 min

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 3.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 237 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
spannend Aspekte der Kindererziehung (5 von 5 Punkten) schreibt C.A.
Sehr spannende Erklärungsansätze für die in der Gesellschaft immer stärker auftretenden psychischen Probleme von Kindern und in weiterer Folge Erwachsener. Das Buch beschreibt gesamt-gesellschaftliche Phänomene und ihre Ursachen (Partnerschaftlichkeit statt Eltern-Kind-Beziehung, Projektion und Symbiose anstatt Individualismus in der Familie). Viele Beschreibungen konnte ich gut nachvollziehen und die angeführten Beispiele auch selbst beobachten, wobei ich mich bei den einen oder anderen beschriebenen Verhaltenweisen selbst ertappte.

Bedenklich aber nicht bedenkenswert (1 von 5 Punkten) schreibt S.
Michael Winterhoff beginnt sein Buch mit einem Zitat aus Pink Floyds "The Wall", insofern war ich guter Dinge, keinen Fehlgriff geleistet zu haben. Aber entweder hat der Autor blind zitiert oder "The Wall" nicht verstanden, sonst ist nicht zu erklären, warum das ganze Buch hindurch das Gegenteil von dem propagiert, was in "The Wall" kritisiert wird: das normierte, bildungsperfekte Kind, dessen individuelle Lebensgeschichte nicht verstanden wird und deshalb sein Innenleben, zum Schutz vor falscher Beurteilung, einmauert. Falls der Autor die Verfilmung von "The Wall" tatsächlich schon mal gesehen hat, sollte er die Stelle, da die Kinder auf einem Laufband in einen Fleischwolf gefahren werden, um als Einheitsbrei heraus zu kommen, noch ein Mal ansehen. Diesen genormten Fleischklumpen fordert nämlich sein Buch.

Formale Fehler
Ich habe erst ab S.60 begonnen mir gezielt Passagen heraus zu suchen, um Gegenargumente aufzuzeigen. Bis dahin war ich noch getragen von der Hoffnung: es wird noch besser. Das Buch war es mir aber nicht Wert es noch ein Mal von vorne zu beginnen. Ich habe es aber zu Ende gebracht.
Wer so scharf schießt, wie der Autor, sollte Quellen bieten und nicht nur Fallbeispiele, dass ist mir (wie weiter unten) selbst in einer Rezension schon unangenehm, auf einen Einzelfall zu verweisen Da werden Zeitungsinterviews, Grundschullehrer und stilisierte Fallbeispiele, als Beweisführung benutzt, dass sich einem die Haare zu Berge stellen.
Auf S. 83 ff. wird beschrieben das einzelne Nervenzellen die Aufgabe hätten einzelne Buchstaben zu erkennen. Das Beispiel dient zu zeigen, dass die Zellen durch wiederholen ihre Aufgabe erhalten. Der Autor, behauptet weiter, das Gleiche gelte "uneingeschränkt auch für diejenigen Zellen die ihre Funktion im Bereich der Psyche erfüllen." Mit Verlaub das ist völliger Unsinn! Nicht eine Zelle hat eine Aufgabe, sondern neuronale Settings erfüllen zusammen eine Funktion. Um einen Buchstaben zu erkennen benötige ich Teile der Seerinde (zum Sehen) und Teile des Temporallappen (Wernicke-Region) (zum Verstehen). (Quelle: Schmidt/Schaible Neuro- und Sinnesphysiologie 5. Auflage S.456). Zusammen ergeben sie ein funktionelles System, welches Lesen und Lesen erlernen möglich macht. Buchstaben erlernen ist aber nicht gleich zu setzen mit emotionalen Reifungsprozessen, wie sie der Autor fordert, weil die im limbischen System geleistet werden müssen. (Quelle: Werner Kahle Nervensystem und Sinnesorgane 6. Auflage S. 310). Außerdem: Was sind das denn für "Zellen der Psyche"? Wie heißt denn die Zellregion? Gyrus Psychicus:)
Mir ist klar, dass man die Psyche nicht mit hirnorganischen Strukturen gleich setzen muss. Aber, wenn man das macht, muss man doch wissen von was man redet!
S. 123: Der Gruppentisch bringt "neurologische Gefahren mit sich; die Wirbelsäule wird falsch belastet..." Wieder solch ein abenteuerlicher Unfug. Wenn, dann bringt diese Sitzform orthopädische Probleme mit sich. Die entstehen aber nicht, weil die Kinder (beim Wechsel zum Frontal-Unterricht) den Kopf drehen müssen, sondern, weil sie in der 4. Klasse noch auf den gleichen Stühlen sitzen, wie in der 1. Klasse, trotz veränderter Proportionen. Davon abgesehen, dass Stühle nicht fest geschraubt sind, sondern gedreht werden könne, wenn es die Situation verlangt.
Ich denke Sorgfalt erwartet jeder der seine Kinder in die Hände eines anderen gibt oder sich aber beraten lässt. Es muss nicht alles wissenschaftlich sein, (man kann mit den besten Statistiken lügen), aber es muss sorgfältig recherchiert und beschrieben sein.

Zum Inhalt
Das Buch wendet sich, polemisch und ohne haltbare Begründungen gegen einen partnerschaftlichen Erziehungsstil. Kinder müssen wieder erzogen werden. Ein einziger Hinweis, das Empathie und positive Zuwendung dabei nötig sind, halte ich bei der Intensität der Argumente für zu dünn.
Gerade zu erschrocken bin ich, dass der Autor sich immer noch auf die Thesen von oraler, analer und ödipaler Phase bezieht. Ein Modell, das unter anderen, von der Autoren, wie der Schweizer Psychologin Alice Miller, gestützt auf eine Vielzahl von Quellen längst widerlegt ist.
Auf den Punkt, dass eventuell nicht "sanfte Eltern" das Problem sind, sondern, als Beispiel, eine funktionalisierte Geburtsmedizin, die seelischen Fehlentwicklungen bereits vorprägt, kommt der Autor nicht. Kein Wunder, da bei ihm hat das Kind keine Persönlichkeit besitzt (laut Autor frühestens ab dem 7 Lebensjahr). (Vergl. dazu: Frederik Leboyer "Die sanfte Geburt" oder auch Werner Gross "Was erlebt ein Kind im Mutterleib")
Die Behauptung, die Forderungen der Schule würden immer weiter nach unten geschraubt, zeigen, dass sich der Autor noch nicht mit Eltern auseinander gesetzt hat, deren Kinder gerade den G8-Streß mitmachen (Buch S. 67). Eine Kollege von mir, der eine große neurologische Fachabteilung leitet beschrieb mir, dass sein Sohn auf mittlerweile mehr Wochenstunde kommt, als er, obwohl meine Kollege zu dem noch Weiterbildungen leitet. Aber für jemand der sich Frontal-Unterricht und autokratische Lehrer zurück wünscht, ist das wahrscheinlich kein Problem (s. S. 121).
S. 86 ff.: Der Autor propagiert den an kapitalistische Produktions-Kreisläufe angepassten Norm-Mensch, am Beispiel von zwei "gesunden Psychen" Marco und Claudia. Die beiden skizzierten Persönlichkeiten sind aber nicht automatisch gesund. Er vermengt in der Folge bürgerliche Lebensart und Hochleistungssport, als Beispiele für gesunde Entwicklung, ohne jede kritische Reflektion. Lieber Mal "Unterm Rad" von Hermann Hesse lesen.
S. 103 ff. Wir erfahren etwas über die gute, alte, preußische Erziehung, bei der die Kindern von den meisten Themen ausgeschlossen waren, welche die Älteren nicht gut für sie fanden. Für mich stellt sich beim Lesen solcher Passagen immer wieder die Frage, wie denn das Dritte Reich ohne Computer-Spiele, Anti-Autoritäre Erziehung, Medien-Überflutung, etc. möglich war, wenn die das früher alle so Klasse gemacht haben. Man muss meine Argument nicht gelten lassen, wenn man die Auffassung vertritt, dass Kindheit keine gesellschaftliche Relevanz hat. Dann aber kann man diesem Buch nicht Recht geben, welches genau auf dieser Annahme beruht. Zur kritischen Betrachtung dieses Abschnitt: Alice Miller "Am Anfang war Erziehung".
Wenn jemand "Partnerschaftlickeit" S. 105 ff. mit Unterwürfigkeit verwechselt, wie im "Manuel Fall" ist das ein individueller Fehler keiner eines Erziehungs-Konzeptes! Die Kindergärten die ich kenne arbeiten partnerschaftlich im Sinn von "ich führe Dich bis Du alt genug bist es selbst zu können." Ich fand es eine bodenlose Frechheit was der Autor heutigen Erziehern unterstellt: sie wären nicht kompetent (Nein, ich bin keiner!) und die alten Basteltanten von früher zu Heilsbringerinnen macht. (Nur, um auch mal zu pauschalisieren.) Wer Partnerschaftlich richtig verstehen will sollte Thomas Gordon "Familienkonferenz" lesen. Herr Winterhoff allerdings streut lieber Beispiele ein, wie jenes in dem ein Vater, Mutter und Kind, mit einer Pistole bedroht (S. 125 Fall Timo), weil die Kinder partnerschaftlich erzogen werden. Als Quelle das dies absolut glaubhaft sei, dienen ihm Magazine und große Zeitungen (welche, nennt er nicht.)
Mit dem Abschnitt "Projektionen" wurde das Buch vorübergehend amüsant.
Nach einem peinlichen Exkurs über die Mängel des Deutschen Telefonwesens, der dann stümperhaft in Verbindung mit dem eigentlichen Thema Projektion gebracht wurde erfahren wir darüber - eigentlich nichts neues! Außer natürlich das die ominöse Partnerschaftliche Erziehung daran Schuld hat oder darauf beruht. Da scheint sich der Autor selbst nicht sicher.
Belustigend war auch, dass das Kiddy-Board "eine der perversesten Erfindungen der letzten Jahre" sei (S. 134), womit sich zeigt das der Autor niemals mit mehreren Kinder in einer Großstadt allein unterwegs war und Einkaufstaschen tragen musste. Gut das Winterhoffsche Roboterkind wäre natürlich perfekt zu führen, würde die Einkäufe und wahrscheinlich noch die Mutter tragen..! Reale Kinder waren noch nie so!
Auf S. 138 lässt er uns dann wissen, dass er "an dieser Stelle (...) keine Fachdiskussion über kindliche Depression führen möchte." Wofür ich ihn bis dahin auch längst zu inkompetent gehalten habe.
Meine humorige Seite fand kam dann aber ins Stocken, als mir Herr Winterhoff einreden wollte, dass es immer mehr Heimkinder gäbe die Lügengeschichten erfänden, weil es im Heim so viele Vorteile gäbe. Das steht da wirklich! Siehe Seite 139.
Auf Seite 141 erfahren wir dann, dass wir alle paranoid sind, weil wir uns im Supermarkt von den Blicken anderer beeinflussen lassen und unsere Kinder (böse wie sie sind) diese Unsicherheit gegen uns verwenden.
Krönender Abschluss ist dann der Unfug im Abschnitt über die Großeltern, die, s. Seite 146 durch die Kinder gegen die Eltern ausgespielt werden. Das ist kein Problem der Kinder, sondern beruht auf mangelnde Integrität der Erwachsenen.
Damit diese Rezension nicht (noch mehr) ausufert halte ich mich mit dem Abschnitt "3. Beziehungsstörung" etwas kürzer. Der war zwar auch schlecht, aber nicht ganz so schlecht, wie das Vorhergehende. Zwei Bemerkungen aber müssen sein: Es geht noch immer um das böse Kind und nicht, um die Tatsache von inkompetenten Eltern (gleich welchen Erziehungsstil sie anwenden) und es gibt immer noch Beispiel, wie jenes, man müsse sich (mitunter) vom Kind abzugrenzen, wie "von einem pöbelnden Passanten" S. 168.
Der Rest des Buches führt dann, alles zuvor Behauptete, ad absurdum. Denn, wie das Kaninchen aus dem Hut, sind die Kinder plötzlich alle wieder gut und es liegt schlicht an der Erwachsenenwelt die Dinge in Ordnung zu bringen. (S. 191ff und S. 204 oben).
Meinem Eindruck nach, war das ein gezieltes Vorgehen, um die Käuferschaft 200 Seiten bei Laune zu halten und erst am Ende so etwas, wie reale Kritik zu setzen. Angst vor Eltern hat ja die Beurteilung von Kindern seit der Antike bestimmt, denn in den Händen der Eltern liegt und lag immer das Geld und damit die Macht. (Vergl. Alice Miller "Du sollst nicht merken.")


Fazit
Der Autor hat das Gefühl das Rad neu erfunden zu haben. Er vermittelt den Eindruck, dass nur er, als Psychologe Ahnung von der kindlichen Natur und Entwicklung hat. Dabei ist die Perspektive, dass die Kinder das Problem sind, und nicht Ausdruck des Problems alt und schon mehrfach widerlegt worden. Winterhoff scheint noch nicht begriffen zu haben das der Mensch mehr ist als "Die Summe seiner Teile" und man durch "das ständige Training kognitiver Funktionen" das Kind, als Mensch nicht erfasst.
Mehr als den Titel hatte das Buch für mich nicht zu bieten. Ich hatte das Gefühl dem Autor ging es, wie mir bei den Mathe-Klausuren, wenn ich das richtige Ergebnis hatte, aber den falschen Rechenweg. Sein Buch klang für mich zunehmend nach einem frustrierten Psychologen, der sich den ganzen Tag mit den verzogenen Kindern der Upper-Class herum ärgern muss und seinen Ärger auf die Kinder projiziert.
Ein Buch für Leute die sich gern gut informiert halten, aber es nicht sind. Wahrscheinlich, weil es in Buchform erschienen ist, merken sie nicht das sie BILD-Niveau in der Hand halten.
Zum Abschluss ein Zitat:
"Der Doktor, der eine sehr dogmatische Drahtpuppe ist (...) fand dieses unter der Würde eines gescheiten Menschen; das merkte ich an seiner Nase. Ich ließ mich aber in nichts stören, ließ ihn sehr vernünftige Sachen abhandeln, und baute den Kindern ihre Kartenhäuser wieder, die sie zerschlagen hatten. Auch ging er darauf in der Stadt umher und beklagte: des Amtsmanns Kinder wären so schon ungezogen genug, der Werther verderbe sie nun völlig.
Ja, lieber Wilhelm, meinem Herzen sind die Kinder am nächsten auf der Erde."
J. W. von Goethe "Die Leiden des jungen Werther"


Hohe Zufreidenheit (5 von 5 Punkten) schreibt L.M.
Ich bin sehr zufreiden mit dem erworbenen Artikel, die Beschreibung war sehr zutreffend, die Zusendung erfolgte schnell und zuverlässig

Das Buch ist grundsätzlich........ (3 von 5 Punkten) schreibt A. aus Baden bei Wien!
......... nicht schlecht, bietet aber keine Lösungsvorschläge! Gut zu wissen, dass die Jugend hoffnungslos versaut ist, aber ich würde mir trotzdem Lösungsvorschläge erwarten!

Ein wichtiges Buch.... (5 von 5 Punkten) schreibt J.G.
...das aber leider wiederum vermutlich eher genau von jenen Menschen nicht gelesen oder nicht verstanden wird, die am Dringendsten mit dem Inhalt vertraut sein sollten.

Der Autor beschreibt seine Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit, und erklärt Zusammenhänge des elterlichen Handelns und der Entwicklung des Kindes sehr gut. Wer einen platten Erziehungsratgeber ala "tue dies, damit jenes bei Deinem Kind passiert" erwartet, ist hier falsch. Jene aber, die sich fragen warum wir (wenn auch keine quantitative Zunahme), aber doch eine Intensivierung von z.B. Jugengewalt erleben, können wertvolle Denkansätze und Erklärungen aus diesem Buch herausziehen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie benötigen die liebevolle Zuwendung und Grenzsetzung durch die erwachsene Umgebung um sich entwickeln zu können, um zu reifen, um wirklich stark zu werden. Auch wenn es (wohl überwiegend weiblichen) Kritikern nicht gefällt. Eine (Mutter)rolle, welche das Kind zum gleichberechtigten Partner erhebt, welche den Rollentausch zulässt, schadet dem Kind. Niemand will das. Trotzdem haben wir als Gesellschaft mit all den entsprechenden Auswüchsen zu tun. Ob Modediagnosen wie ADHS, der Absenkung des Schulniveaus bis hin zur Ausbildungsunfähigkeit, der Gewalt- und Respektlosigkeit gegenüber Erwachsenen, die letztlich unlängst einen D. Brunner das Leben gekostet hat: immer sind wir Erwachsenen diejenigen die uns Fragen müssen, ob wir das beabsichtigen. Ob wir wollen, dass unsere Kinder derartig gestört als Jugendliche und Erwachsene "ins Leben" entlassen werden. Kinder sind einfach Kinder - und genau das müssen sie auch sein dürfen. Dafür plädiert der Autor in diesem Buch. Sehr lesenswert.

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