Die Kathedrale des Meeres

Von Ildefonso Falcones

Übersetzer: Lisa Grüneisen
Buch, Broschiert, 656 Seiten, 6. Auflage
Erschienen: 5. August 2009
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Fischer (Tb.), Frankfurt
Verkaufsrang: 1503 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783596175116
ISBN-10: 3596175119
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Die Kathedrale des Meeres
Langsam wird der Vergleich müßig. Kaum tauchen auf dem Buchcover irgendwelche sakralen Bauelemente auf, wandert der Blick durch düsteren Kreuzgang -, gibt?s Unruhe unter den Kathedralenliebhabern. Aha, ein neuerlicher Versuch, Die Säulen der Erde, diesen Everest unter den historischen Romanen, zu toppen. Der katalanische Anwalt Ildefonso Falcones kann einem schon Leid tun. An solch gnadenlosem Maßstab gemessen zu werden, erinnert schon eher an sportliche, denn literarische Kategorien. Und verstellt den Blick aufs Schöne und Wesentlliche. Fünf Jahre ließ der Mann sein Herzblut in die Entstehung von Barcelonas imposantestem Sakralbau fließen. Heraus kam ein dicht und streng erzähltes Werk, das Kataloniens dunkelste Zeit förmlich mit Licht durchflutet - und dabei sehr gut auf eigenen Säulen ruhen kann!
Dachten auch die Käuferscharen, die den mühevollen Weg eines Vaters und seines Sohnes in die Freiheit wie ein katalanisches Heldenepos bejubelten. Man versteht, warum. Die Bedeutung des Wortes ?Leibeigenschaft? wird im beklemmendem Eingangskapitel brutal bebildert. Mitten in die schlichte Hochzeitsfeier des Gutsherren Bernat Estanyol mit Francesca platzen der Lehnsherr Llorenç de Bellera und seine Ritter. Das nun eingeforderte "Recht der ersten Nacht" war im katalanischen Rechtswesen des 14. Jahrhunderts fest verankert. Als der Feudalherr und seine feixenden Spießgesellen die Brautleute und das Gehöft johlend verlassen, ist eine gerade geschlossene Ehe in ihren Grundfesten zerstört. Ein Jahr später entflieht Bernat mit Arnau, seinem neugeborenen Sohn, dem Joch des furchtbaren Adligen. Barcelona heißt das Ziel. Hier, in der aufstrebenden Metropole, winkt die Freiheit. Und ihr mächtiges Symbol ist gerade im Werden!
In dem ehrfurchtgebietenden Gotteshaus Santa María del Mar, erbaut in der Rekordzeit von 55 Jahren und 1384 vollendet, manifestiert Falcones seinen Freiheitsbegriff. In diesem "vom Volk für das Volk" errichteten Monument, wächst Arnau vom schlichten "Bastaixos", dem Lastenträger, der die Steine aus den Bergen zur Kathedrale heranschleppt, zu einem der hochrangigsten Bürger Barcelonas empor. Es irrt nun, wer glaubt, das Leid habe damit ein Ende. Auf ein Leid anderer Art verweist der Klappentext: Der praktizierende Anwalt Falcones sei ausgewiesener Fachmann in der Rechtsgeschichte des mittelalterlichen Kataloniens. Vielleicht eine Erklärung für die zuweilen quälend liebevolle Akribie, mit der Falcones die wahrhaftig nicht unkomplizierte politische Gemengelage der katalanisch-aragonesischen Historie ausbreitet, während sein Figurentableau ein durchaus kräftigeres Farbenspiel vertragen hätte. Was das Buch dennoch auszeichnet, kennzeichnet auch seinen Hauptschauplatz. Gleich diesem Meisterwerk katalanischer Gotik, ist es von unaufdringlicher und spröder Schönheit. - Ravi Unger

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.0 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 103 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
für Barcelona Fans ein muss (5 von 5 Punkten) schreibt A.B. aus Münster
Wer schon einmal in El Born verweilt hat in der Santa Maria Del Mar, der weiss dieses Buch wahrscheinlich sehr zu schätzen.
Man merkt beim Lesen, wieviel die Stadt Barcelona dem Autor bedeutet und die historischen Details des Romans, die Angriffe der spanischen Nachbarn und die Vertreibung der Juden aus der Stadt ist meines Erachtens sehr gut recherchiert.
Die Handlung selbst geht über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren, da der Bau der Kirche Santa Maria del Mar nur 55 Jahre gedauert hat. Ich finde das der rote Faden die ganze Zeit beibehalten wird und auch die Geschichte ist flüssig zu lesen und schlüssig nachvollziehbar. Das Buch ist wohl nicht umsonst eins der meistverkauften in Spanien. Absolut lesenswert.

4 Sterne verdient! (4 von 5 Punkten) schreibt C.S. aus Hildesheim
Auch wenn man dem Roman einige Schwächen vorwerfen kann - langweilig ist er nicht.

Er erzählt vom Aufstieg des Bauernsohns Arnau Estanyol, der als Lastenträger beim Bau der Kathedrale "Santa Maria des Bar" in Barcelona zu Wohlstand und als Seekonsul zu Ansehen gelangt. Die Figurengestaltung erscheint ein wenig schlicht, Arnau ein wenig zu gütig, freundlich, ehrlich, gut aussehend, fair und edel. Aber alles in allem ist der Roman trotzdem, spannend und "solide gebaut".
Fazit:
Ein Roman mit sehr vielen neuen Informationen zum Mittelalter.Spannend und interessant bis zur letzten Seite.

Mitreißend (4 von 5 Punkten) schreibt C.
"Die Kathedrale des Meeres" ist ein mitreißender historischer Roman. Die Geschichte bietet alles, was es dazu braucht: Man kann sich mit den Protagonisten identifizieren, leidet und freut sich mit ihnen. Gerne würde man ihnen an mancher Stelle ins Gewissen reden, damit sie Entscheidungen überdenken. Und man möchte am liebsten selber aufspringen und den Antagonisten eins auswischen, denen es immer wieder gelingt, der Titelfigur Arnau Estanyol das Leben schwer zu machen. Diese Steine, die der Hauptfigur in den Weg gelegt werden, bauen eine hohe Spannung auf, denn immer wieder scheint das Ende des Helden nahe zu sein. Kurzum: Man fiebert mit. Doch trotzdem, wegen seines Charakters und seiner Freunde, gelingt es Arnau Estanyol, seinen Weg zu gehen: Von einem flüchtigen Bauernjungen zu einem sehr angesehenen und reichen Bürger Barcelonas. Dank des Handlungsverlaufes, des "Mitfieberns", der Spannung, liest sich das Buch sehr gut.
Ein wichtiger Aspekt des Schreibstils ist die auktoriale Erzählperspektive. Dabei verbleibt der Autor jedoch nicht nur bei der Hauptperson, sondern wechselt ab und zu auch zu den anderen Personen, ohne dass sich dauerhaft mehrere Erzählstränge aufbauen. Leider kommt es dadurch häufig vor, dass die Bezüge fehlen und man nicht genau weiß, wer nun mit dem "er" oder "sie" gemeint ist. Das verwirrt ein wenig. Ebenso verwirrend sind des öfteren abrupte Übergänge von einer Szene zur nächsten. Manchmal weiß man gar nicht, wie einem geschieht, und schon steckt man plötzlich in ganz anderen Ereignissen. Obwohl das manchmal zu einer gewissen Desorientierung des Lesers führt, wird er gleichzeitig ab und an überrascht von einem plötzlichen Ereignis, sodass die Spannung dadurch gesteigert wird. Erwähnenswert ist weiterhin, dass der Roman gestückelt ist und immer wieder Zeiträume ausgelassen werden, in denen nichts passiert. Das geht in Ordnung, denn so werden nur die spannenden Wendepunkte der Figuren geschildert.
Der Roman stellt eine Mischung aus fiktiven und realen Ereignissen dar. Im Nachwort erklärt der Autor auch, was nun real und was fiktiv ist. Als störend kann man dabei die etwas überladenen historischen Ausschweifungen empfinden. Viele dieser Hintergründe sind für die Geschichte unbedeutend und der Leser kann die vielen Informationen, Namen, Daten usw. sowieso nicht behalten. Dadurch gerät die Geschichte teilweise ins Stocken.
Insgesamt ist es ein durchaus lesenswertes Buch. Die geringen negativen Aspekte werden durch eine mitreißende Geschichte nahezu aufgewogen.

In der ersten Reihe (5 von 5 Punkten) schreibt H.P. aus Eschweiler, NRW
Zu diesem Buch sind reichlich Inhaltsbeschreibungen und -analysen geschrieben und diskutiert worden. Das kann ich mir also sparen.

Ich habe mit dem Protagonisten in der ersten Reihe mitgekämpft; bin mit ihm durch das alte Barcelona gelaufen und habe voll Bewunderung mit angesehen, wie er schon als Kind und Jugendlicher für das Haus seiner "Mutter" kämpft und beinahe Unmögliches schafft. Als er in die Seeschlacht geschickt wird, habe ich ihn ebenso begleitet, wie auf seinem schweren Weg ins (unerwünschte) Familienleben. Natürlich habe ich ihm seine Seitensprünge verziehen. Wer hätte das nicht! Auf seinem Leidensweg durch Pest und Inqusition bin ich nicht von seiner Seite gewichen, habe mit ihm gebangt und gezittert.

Ich habe ihn mehr oder weniger sein ganzes Leben lang nicht aus den Augen verloren. Und mir ist keine Minute langweilig geworden. Falcones hat eine Figur geschaffen, die bei der Lektüre des Buches so real erschien, als stünde man neben ihr.


Helmut Probst


Eine unzensierte Telenovela (2 von 5 Punkten) schreibt L.O.
Die Handlung plätschert dahin. Der vermeintliche rote Faden, der Bau der Kathedrale, ist absolut irrelevant. Die Menschen handeln im Buch aus niedersten Beweggründen; natürlich, es ist ja auch das finstere Mittelalter. Mich erinnert das Buch an eine Telenovela. Auch die muss man langziehen, so dass die Episoden schliesslich zwangsläufig in Beliebigkeit absacken. Hierfür sind fatale Handlungswendungen notwendig, also genau wie bei Falcones. Schlecht geschrieben ist es nicht, der Kolorit ist fassbar. Die Epoche an sich ist auch packend. Aber was nützt die schönste Farbe auf einer Leinwand, wenn der Maler keine Ahnung hatte, was er damit will.
Die Geschichte an sich könnte als Beispiel dienen, wie man mit einem bekannten Archetyp (Hiob) leicht abgewandelt trotzdem einen grossen Verkaufserfolg erzielen kann. Ich jedenfalls war nach der gefühlten zehnten Verstrickung des Handlungsfadens bedient und habe meinen Geduldsfaden schonend ohne Mühe das Buch 50 Seiten vor Schluss weggelegt - das erste meiner letzten 35 Bücher, das ich bewusst nicht fertig gelesen habe.

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