Die Schwalben von Kabul

Von Yasmina Khadra

Übersetzer: Regina Keil-Sagawe
Buch, Broschiert, 158 Seiten, 3. Auflage
Erschienen: 2008
Sprache: Deutsch
Herausgeber: Aufbau Tb
Verkaufsrang: 34895 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783746620879
ISBN-10: 3746620872
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Die Schwalben von Kabul
"Es genügt nicht, über etwas zu lesen, man muss es aus eigener Erfahrung kennen lernen", ist eines der sattsam bekannten Vorurteile gegen das so genannte Bücherwissen. Die Schwalben von Kabul widerlegt derartige Äußerungen grundlegend. Es gibt Welten, zu denen Menschen anderer kultureller Prägung keinen Zugang haben, weil sie sich nur von innen heraus verstehen lassen. Und eben ein solches tief greifendes Verständnis ermöglicht uns Yasmina Khadra in seinem Roman über das Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban.
Kabul ist keine Stadt mehr, sondern ein Stein gewordener Albtraum. Schreiende Kinder und jammernde Bettler prägen das Straßenbild. Atiq Shaukat fristet sein Dasein als Gefängniswärter. Sein Leben beschränkt sich auf lange Phasen des gedankenlosen Dahindämmerns, hin und wieder unterbrochen von unvorhersehbaren Augenblicken rauschhafter Gewalt. Nur selten kann er sich überwinden nach Hause zu gehen, denn dort wartet seine todkranke Frau auf ihn und lässt seinem Gewissen keine Ruhe.
Mohsen Ramat kann sich nicht einmal in die Routine regelmäßiger Arbeit flüchten. Haltlos stolpert er durch die Ruinen, den Kopf voller Erinnerungen an eine Zeit, in der er mit seiner schönen und gebildeten Frau ein Leben in Freiheit führen konnte. Zunaira wagt sich nicht mehr aus dem Haus, zu groß ist ihre Angst und ihre Scham, sich unter dem Schleier verstecken zu müssen. Als das Ehepaar doch einmal einen Spaziergang wagt, kommt es zur Katastrophe.
Die "Schwalben", das sind die furchtsam durch die Straßen hastenden Frauen Kabuls unter ihren dichten Tschadri. Religiöser Wahn hat sie in einem Maße zu Opfern männlicher Willkür gemacht, das für einen Mitteleuropäer kaum nachvollziehbar ist. Umso bestürzender ist es, Yasmina Khadra auf seinen Wegen durch das zerbombte Kabul zu folgen und zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, wie das Leben dort aussieht - in erster Linie für die Frauen, aber auch für Männer, die ihre Kritikfähigkeit noch nicht völlig verloren haben.
Die Schwalben von Kabul ist ein Buch, das niemand ohne tiefe Erschütterung aus der Hand legen wird. Manchmal ist Literatur eindringlicher als jeder noch so gut recherchierte Fernsehbericht. -Hannes Riffel

Leserbewertungen:
Im Durchschnitt: 4.5 von 5 möglichen Punkten (insgesamt 11 Bewertungen)

Kommentare von Lesern: (Wiedergabe von Amazon nach dem Web Services Licensing Agreement)
kaum zu glauben, aber wahr! (5 von 5 Punkten) schreibt M.
Die Story ist ja von den Vorschreibern sehr gut beschrieben.

Habe das Buch vor 2 Jahren gelesen, und es hat mich sehr erschüttert und die Erinnerung bleibt bestehen. Wirklich bewegend. Meine ganze Familie musste es lesen.

Mein größtes Mitgefühl gilt der Bevölkerung, die es irgendwie schafft ihr Leben zu führen.
Trotz dieser Grausamkeiten und der menschenverachteten Geschichte liest sich das Buch wie ein Roman, in einem Zug.
Sicherlich keine leichte Kost, doch sehr bewußtseinserweiternd.

Ich empfinde Dankbarkeit, dass ich in einem so wunderbaren Land und Staat wie Deutschland leben darf.

Die Hoffnung stirbt zuletzt (5 von 5 Punkten) schreibt K.T. aus Ahaus
Yasmina Khadra beleuchtet in seinem Roman das Schicksal zweier Paare im Kabul der Taliban. Mohsen Ramat und seine Frau Zunaira gehören zur gebildeten Gesellschaftsschicht. Ihre Beziehung funktioniert, da sie sich trotz der Widrigkeiten des Alltags gegenseitig respektieren. Sie haben sich einen Rest an Kultiviertheit bewahrt und hoffen auf diese Weise die notwendige Kraft zu schöpfen, die Zeit der Unterdrückung zu überwinden.

Gefängniswärter Atiq Shaukat und seine Frau Mussarat sind, so wie viele Menschen ihrer Gesellschaft, orientierungslos und zermürbt. Sie gehören zu den einfachen Leuten, denen es nur noch darum geht, ihren Alltag zu überstehen. Träume sind ihnen fremd. Atiq ist verzweifelt und ratlos, da seine Frau schwer krank ist. Was bedeutet das in einem Land, in dem Frauen unterdrückt werden? Das Frauenbild in Afghanistan wird an vielen Stellen des Romans deutlich.

Die Wege der Protagonisten sind schicksalhaft miteinander verknüpft. Kann es in dieser eisigen Atmosphäre Mitgefühl und Liebe geben? Das selbstlose Verhalten von Mussarat in einer schwierigen Situation lässt Hoffnung aufkommen, Hoffnung für ein unterdrücktes Volk, die schwere Zeit zu überwinden.

"Die Schwalben von Kabul" ist ein eindringlicher Roman. Die Leser werden von der Atmosphäre gefangen genommen. Die Beschreibungen wirken authentisch, sie überzeugen. Die Unterdrückung der Menschen in dem totalitären Afghanistan ist auf jeder Seite des Romans deutlich spürbar. Synonym für die Einschüchterungen ist die Peitsche, deren Gebrauch in Kabul zum Alltag gehört.

Yasmina Khadra ist das Pseudonym des 1955 geborenen algerischen Autors Mohammed Moulessehoul. Als hoher Offizier der algerischen Armee konnte er dieses Pseudonym erst lüften, als er im Jahr 2001 ins Exil nach Frankreich ging.

grausam, emotional, unbedingt lesen! (5 von 5 Punkten) schreibt Z.N.
grausam, emotional, unbedingt lesen!

sehr gutes buch - packend und emotional - absolutes muss.

Sehr gut (5 von 5 Punkten) schreibt H.S. aus Frielendorf,Hessen
Afghanistan fasziniert mich, schon immer eigentlich. Beruflich habe ich viel mit Männern zu tun, die sich von mir als Frau etwas sagen lassen müssen. Das fällt ja gerade den afghanischen Männern der Heutezeit hier sehr schwer, geprägt durch die junge Geschichte ihres Landes. Ich habe viel gelesen, über dieses wundervolle Land, die Menschen dort und vor allem - dem Leben als Frau unter den Taliban. Beim Lesen habe ich festgestellt, dass ich diese Geschichte schon mal im Kino gesehen habe, mit deutschen Untertiteln - etwas länger her. Es ist eine Eigenart der afghanischen Schriftsteller, in einer so unserer Welt völlig fremden poetischen Art und Weise zu schreiben. Wer "Drachenläufer" gelesen hat, weiß, was ich meine. Die Schwalben von Kabul sind für mich vom Stil her ebenso phantastisch liebevoll geschrieben. Eine traurige Geschichte, wohl auch eine wahre Geschichte? Lesen Sie es, es wird Ihnen gefallen.

Neutral (3 von 5 Punkten) schreibt N. aus München
Für mich war dieses Buch eher belanglos als bewegend. Ich denke aber, dass dies nicht an der Handlung selbst lag, sondern daran, dass ich mich innerlich geweigert habe, zu akzeptieren, dass solch ein Leben in der heutigen Welt überhaupt möglich... Ich würde es daher niemandem empfehlen, der nicht bereit ist, sich mit dem Taliban-Regime voll und ganz auseinanderzusetzen, das Lesen wird anderfalls zur Qual.

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