Wilde Reise durch die Nacht: Roman

Walter Moers

Taschenbuch
Ausgabe vom 1. Oktober 2003
Verkaufsrang: 1586 (je kleiner desto beliebter)
EAN/ISBN: 9783442452910
ASIN: 3442452910 (Amazon-Bestellnummer)
Wilde Reise durch die Nacht: Roman - Walter Moers
Eigentlich ist es ja immer andersrum: Ein Autor schreibt ein Buch, und irgendwann später kommt ein Illustrator und macht sich ans Bebildern. So hat es Zeit seines Lebens auch Gustave Doré gehalten, dem wir wundervolle Stiche zu Orlando Furioso, Don Quixote, Gargantua und Pantagruel oder der Bibel verdanken.
Walter Moers macht immer alles anders. Und so ist er auch diesmal den umgekehrten Weg gegangen und hat Dorés Kupferstiche zu einem neuen erzählerischen Kabinettstück versammelt. Dabei schickt er den 12-jährigen Gustave in seine eigenen (Alb-)Traumbilder und lässt ihn nach klassischer Märchenmanier (sechs gelöste Aufgaben = Todesaufschub) auf dem Pferd Pancho Sansa im "Reich der Ungeheuer" allerlei Abenteuer mit Fabelwesen, Rittern und Jungfrauen bestehen. Hier hat Gustave gegen treulose Kumpanen und die erste (kurze) Liebe gleichermaßen anzukämpfen. Dazwischen bringen diverse Diener des Todes unseren Helden in immer neue Gefahren: "Wenn er aus den Fluten auftauchte, hatte Gustave die Wahl, gefressen, von Krallen zerfetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder gekocht zu werden". Er hat also keine Chance - und die nutzt er gut.
Früher war Moers ja für seine Lügengeschichten bekannt, die er Käpt'n Blaubär in die sympathische Schnauze legte. In Wilde Reise durch die Nacht nun erzählt er endlich die ganze Wahrheit über die Welt der Mythologie: Hierzu gehört die Erkenntnis, dass Drachen nur dressierte Kampfhunde und Jungfrauen so richtig böse sind. Da ist sehr viel geklaut von Italo Calvino und den Rittern der Kokosnuss. Aber schon Ensel und Krete war eine kongeniale Verballhornung Grimm'scher Volksmärchenkunst. Und dass Moers die Illustrationen von Doré stibitzte, um sie mit neuem fantastischem Erzählstoff zu umgarnen, dafür ist man ihm bei der vergnüglichen Lektüre Seite für Seite dankbar. -Thomas Köster

Wenn ein einziger Schauspieler alle Rollen in einem Stück sprechen muss, ist das schon eine ziemliche Herausforderung. Bei einer ausufernden fantastischen Geschichte wie der von Walter Moers ist die Aufgabe noch schwieriger. Umso beeindruckender, mit welcher Energie, aber auch Präzision Dirk Bach diese Geschichte über vier CDs trägt, ohne dass man sich je langweilt. Erstaunlich auch, wie genau sich Bach über diese lange Strecke die verschiedenen Stimmlagen seiner Figuren merken kann. Ob als kauziger Greif - vielleicht am schönsten: Bach gelangweilt, genervt wie ein Berliner Hausmeister ("Ich müsste das jetzt nicht tun, aber ich werd's trotzdem machen...") -, als herablassend-bedrohlicher Tod oder als leicht hysterische Qualle: Dirk Bach zieht alle Register.
Ihren eigentlichen Reiz bezieht Moers' Erzählung freilich aus der Gegenüberstellung mit den düsteren Kupferstichen von Gustav Doré. Und so ist es lobenswert, dass man auch die Hörbuch-Version anhand der beiliegenden 18 - auf vier Poster verteilten - Zeichnungen verfolgen kann. Prima für einen verregneten Sonntag auf dem Sofa. -Axel Henrici
4 CD-Box mit 4 Postern. Studioaufnahme. Gesamtspieldauer: 275:20 Minuten.


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